Leben Wir Wirklich? Mein Gedankenspiel zum Leben

Wir werden geboren als glückliche Menschen. Ehrlich. Wir kennen keine Vorurteile. Keine Angst. Keine Grenzen. Wir sehen die Welt als Ganzes. Bunt und lebendig. Sind gespannt auf alles, was wir fühlen, riechen, kennen lernen. Wir lieben bedingungslos. Alle Türen stehen uns offen, wir sind die Regisseure unseres Lebens.

Im Laufe der Jahre wachsen wir heran zu anständigen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen. Wir lernen für unsere Zukunft zu sorgen. Dass es wichtig ist, unser eigenes Geld zu verdienen, unsere Komfortzone zu schaffen, Verantwortung zu übernehmen. Später, wenn wir alt sind, können wir alles nachholen, für das jetzt keine Zeit bleibt. Jetzt haben wir die Kraft, ein Haus zu bauen, Tag für Tag von früh bis spät für unsere Altersvorsorge zu arbeiten. Jetzt müssen wir alles aufbauen, damit wir später unseren Lebensabend genießen und unser Leben nachholen können. Wir legen unser Geld an, damit wir gut versorgt sind später.

Ab und an treffen wir uns mit Menschen aus dem Umfeld, diskutieren über Politik, den typisch beschissenen Montag in der Arbeit und über das schlechte Wetter. Ein paar Urlaubswochen sind die Highlights unserer Jahre. Wir genießen den Sommer, das Meer, ein gutes Buch, bei dem wir uns in ein aufregendes Leben träumen. Wir müssen unsere Wochen genießen, denn es sind wenige im Jahr, bestenfalls schalten wir für kurze Zeit ab in denen wir Kraft sammeln für die nächsten Monate.

Nach einem arbeitsreichen Jahr feiern wir Silvester. Wir blicken zurück auf alles, was wir geschaffen haben. Wir sind zum Geschäftsführer aufgestiegen, sind endlich in unser Haus eingezogen, für das wir nun 30 Jahre sparen werden, erinnern uns an einen schlechten Sommer und ein paar lustige Geburtstagsfeste. Was war dazwischen? Wir wünschen uns für das neue Jahr Gesundheit, Glück und Zufriedenheit und planen bereits die nächsten kleinen Urlaube ohne darüber nachzudenken, auch zwischen dem Alltag zu leben. Jahr für Jahr kämpfen wir uns durch die Monate, tanken Kraft im Urlaub, freuen uns auf die Zukunft. Auf die Zeit, in der wir alles nachholen werden. Denn dann haben wir Komfort und Geld und Sicherheit.

Dann, eines Tages, werden wir alt. Zu alt, um zu arbeiten begeben wir uns in den wohlverdienten Ruhestand. Das wird gefeiert. Jetzt können wir unseren Lebensabend genießen, unser Leben nachholen. Wir sind frei. Frei von Verpflichtungen und Arbeit. Doch dann bemerken wir, dass der Alltag plötzlich beschwerlicher wird. Monate vergehen wie Wochen, Tage wie Stunden. Unser Körper ist müder als noch vor wenigen Jahren. Lieber verbringen wir Zeit zu Hause bei der Familie, schenken unseren Kindern und Enkeln unser Geld, damit sie sich später mal ein gutes Leben aufbauen können. Wir haben ohnehin nicht mehr die Kraft, die Welt zu erobern. Wir sind zu alt für Veränderung, müssen uns schonen hat der Arzt gesagt.

Und irgendwann sind wir zu alt und zu schwach um aufzustehen und wir denken über unser Leben nach. Wo ist die Zeit geblieben, in der wir leben wollten? Warum haben wir nicht die Weltreise gemacht, von der wir immer geträumt haben? Warum sind wir all die Jahre Tag für Tag in dieselbe Arbeit gefahren, die uns eigentlich nicht glücklich gemacht hat? Warum haben wir unser Buch nicht geschrieben und unseren Tanzkurs nicht gemacht? Wir wollten Sänger sein, Marathons laufen, etwas Bahnbrechendes erfinden. 

Versunken in unseren Gedanken erkennen wir, es ist zu spät. Der Höhepunkt unseres Lebens ist vorüber. Und wir sitzen da und geben uns zufrieden mit dem, was wir geschaffen haben. Eigentlich sind wir stolz auf unser Leben. Denn wir haben Komfort und Geld und Sicherheit.

Aber haben wir wirklich gelebt?

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