Glücksgefühle & Wehmut – So erging es uns nach unserer Rückkehr…

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Viele Gefühle begleiteten uns in den ersten Wochen zurück in Österreich. Die Rückkehr von so einer langen Reise hat seine Vorzüge, wie auch seine Schattenseiten. Noch nie fiel es mir so schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen. Von „zum Himmel hoch jauchzend“ bis „zu Tode betrübt“ (okay zu Tode betrübt waren wir nun auch wieder nicht – immer diese Redewendungen) durchlebten wir in der letzten Zeit alle möglichen Gefühle. Ich brauchte eine Weile, um klare Gedanken zu fassen. Dann saß ich da, konnte es kaum glauben, was ich tippte, dachte, fühlte. Ich dachte stets, die Heimkehr kann uns nichts. Doch nun von Anfang an…

Wir fühlten uns wie die Königechaos
Die ersten Tage im vertrauten Umfeld waren wunderbar. Wir hatten alles, Familie, Freunde, Geborgenheit und unseren gewohnten Standard wieder. Wir freuten uns so sehr über Leitungswasser, unser eigenes Bett und all die Köstlichkeiten aus der Heimat. Unsere Kleider im Schrank hängend, unsere Autos. Kein Rucksackschleppen mehr, keine Suche nach öffentlichen Verkehrsmittel. Voll Freude richteten wir uns ein, machten unsere staubfest verpackten Wohnräume wieder zum Wohlfühlort. Wir hatten viele freudige Gespräche, die Menschen um uns waren interessiert und Wiedersehensfreude strotzte in den ersten Tagen von allen Seiten. Der Sommer stand vor der Tür und wir wussten, es würden gute Wochen werden, ein Sommer am See mit wunderbaren Erinnerungen, die wir weitergeben können. Wir genossen den Freiraum, den sich Alex wie auch ich nun geben konnten. Unsere Heimat an sich hat sich in keiner Weise verändert. Vielleicht hier und da ein neues Gebäude, aber sonst wirkte alles vertraut und gleich. Die Sesshaftigkeit in den ersten Wochen tat gut, keine Planung, kein Weiterzeihen. Einfach sein. Auf unsere atemberaubende Landschaft, das kristallklare Wasser im See, die frische Luft im Wald. Wir schlemmten uns durch die österreichische Kulinarik, verbrachten einen Besuch nach dem anderen.

Doch mit dem Alltag kam das Fernweh
Irgendwann verblasste der Zauber der Rückkehr. Treffen mit den Menschen um uns verloren an Emotion, unsere Kalender füllten sich mit Aufgaben, Verpflichtungen, Erledigungen. Die Reise rückte in den dunklen Hintergrund. Es kristallisierten sich seltsame Veränderungen heraus. Wir wie auch die Menschen zu Hause haben sich verändert, so mussten wir teilweise erkennen, dass sich Meinungsverschiedenheiten aufgetan und sich Interessen verändert haben. Auf unserer Reise erlebten wir Dinge, die, egal ob positiv oder negativ, unser Leben bereicherten. Wir kamen nach Hause mit positiven Emotionen, Euphorie und ganz neuen Ansichten über verschiedenste Dinge. Zu Hause jedoch ging alles seine gewohnten Wege, keine besonderen Hochs, keine besonderen Tiefs. Zum ersten Mal spürten wir den absolut normal gewordenen Stress, der in jedem sitzt. Von einem Tag zum nächsten hetzen, 5 Minuten im Kalender stöbern, wann denn das nächste Mal Zeit ist, etwas für sich zu tun. Zu unserem Glück war die Entschleunigung der Reise noch tief in uns verankert, sodass wir uns in manchen Situationen einfach nur schmunzelnd zurücklehnten.

Wobei es ein Thema gibt, bei dem sich keiner mehr schmunzelnd zurücklehnen sollte. Ein Thema, dass mit Grund für mein Unbehagen war und ist und Wehmut in mir verursacht. Die politische Lage in Österreich hat sich während unserer Abwesenheit drastisch verändert. Seit den Wahlen in Österreich und dem Asylthema ist das Volk nichtmehr dasselbe. Viele Ansichten machen mich traurig, weil ich weiß, dass diese zum Großteil aus Manipulation der Medien entstehen oder einfach aus Angst vor dem Ungewissen. Und weil es einfach ist, Vorurteile zu haben. Ein Mensch sollte niemals aufgrund von Religion, Herkunft oder Hautfarbe beurteilt werden. Keinen einzigen Menschen kann man in eine Schublade stecken. Jeder hat seine eigene Seele, seine eigenen Gedanken und seine eigene Persönlichkeit. Jeder Mensch hat das Recht auf eine Chance, das Recht auf Liebe und Toleranz. Und kein Mensch hat das Recht, sich höher zu stellen, als einen anderen, wir sind alle unschuldig auf diese Welt gekommen.

Zurück zu Alex und mir. Unser Fokus liegt auf so vielen kleinen Dingen, die viele Menschen gar nicht mehr wahrnehmen. Einfach dasitzen und den Moment genießen, bewusst sich über ein einziges Thema unterhalten. In der Wiese liegen und den Duft des frischen Grases riechen. Einfach sein, ohne Gespräch, ohne schlechte Gedanken, nur du selbst im Hier und Jetzt. Wir mussten erkennen, dass vieles zu Hause nicht so war, wie wir es unterwegs kennen und lieben lernten. Irgendwie fühlten wir uns nicht mehr so zu Hause wie vorher. Unbewusst träumte ich vom nächsten Abenteuer, vom nächsten Flug, der nächsten überwältigenden Reise.

In Sachen Beziehung
Anfangs genossen wir den ganz neuen Freiraum, wir trafen uns mit anderen Leuten, hatten neue Themen. Doch auch zwischen uns machte sich ein Alltag breit, den wir während der Reise ganz vergessen hatten. Jeden Tag am gleichen Ort, jeder hatte Pflichten zu erledigen. Der Druck wieder Geld verdienen zu müssen stieg enorm und irgendwann fühlten wir uns eingeengt. Wir sehnten uns nach etwas Neuem, nach neuen Orten, neuen Menschen. Es gab keine Eindrücke mehr zu verarbeiten, das fehlte uns sehr. Wir stellten fest, dass die Rückkehr die genau gleiche Herausforderung war, wie der Aufbruch, raus in die Welt. In vielen Situationen zeigen sich jedoch jetzt, wie eng unser Band geworden ist. Über gewisse Dinge kann man nicht mit jedem sprechen. Vieles können nur Alex und ich verstehen. Vieles haben nur wir erlebt, gesehen, erfahren. In vielen Lagen fühlen wir gleich, denken gleich, haben dieselben Ansichten. In vielen Situationen reicht ein Blick und wir wissen, wir sind nicht allein. Die Reise hat uns noch näher zusammengebracht. Wir sind nicht nur Lebenspartner. Wir sind beste Freunde und glücklich, diesen Lebensabschnitt gemeinsam erlebt zu haben.

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