Reise durch Laos – Schönheit, Krieg & überforderte Mönche

Luang Prabang – Teil des UNESCO Weltkulturerbes und Heimat der Mönche

Luang Prabang haben wir ab dem ersten Tag in unsere Herzen geschlossen. Der eigene Charme, die natürliche Umgebung und die lachenden Gesichter sind nur ein paar Gründe dafür. Die Stadt hat viel mehr Dorf- als Stadtcharakter. Tuk Tuks fahren gemächlich durch die langen Straßen an einem Fluss entlang, der in den Mekong mündet. Es gibt keine Hochhäuser was wunderbar ist und die Schönheit der Stadt bewahrt. Die Stadt ist geprägt von der Tempelwelt und französischen Cafés, in denen man knusprige Croissants oder frische Baguettes serviert bekommt. Trotz einem großen Nachtmarkt an der Hauptstraße herrscht eine gewisse Ruhe, es ist niemals zu laut. Vielleicht kommt uns der Unterschied noch größer vor, weil wir gerade vom chaotischen Hanoi gekommen sind? Wir genossen schöne Aussichten auf den Fluss von den Terrassen der Restaurants, besuchten einen Massage Salon und spazierten abends durch den bunten Nachtmarkt der Stadt.

Mitten im Zentrum kann man über einige hundert Stufen den Mount Phou Si, den heiligen Berg von Luang Prabang erreichen und einen Sonnenuntergang der Extraklasse sehen. Wir saßen mit vielen anderen oben am Plateau neben einem kleinen Tempel und beobachteten die Sonne, wie sie langsam hinter den vielen Karstbergen, die die Landschaft Laos’ prägen, unterging. Die Luft war etwas düster, viele Tempel stechen im weichen Licht zwischen den Häusern hervor, die Umgebung in leichtes Orange gehüllt.

Wir besuchten den 80 Meter hohen Wasserfall Tat Kuang Si, der in verschiedenen Ebenen verläuft und somit kleine Becken zur Abkühlung bietet. Das Quellwasser war seit langem eine erfrischende Abkühlung. Das Wasser wirkte milchig blau, viele Schmetterlinge leben in den um das Wasser wachsenden Pflanzen. Wir genossen ein paar Stunden im Wasser und bekamen obendrein eine gratis Pediküre von den kleinen ansässigen Fischchen.

Die Mönche von Luang Prabang & wie Touristen eine Tradition zerstören
panorama_luang_prabang

Luang Prabang ist die Stadt der Mönche. Es gibt zahlreiche Tempel, in denen sie leben, den Buddhismus studieren und beten. Die Tempel sind prunkvoll vergoldet und sehr alt. Sie sind wunderschön anzusehen. Nur bedeckt und ohne Schuhe darf man einen solchen Tempel betreten. Man findet Opfergaben wie Reis oder Blumen neben den alten verstaubten Buddha-Statuen. Ab und an sieht man einen Mönch in seinem orangefarbenen Ordensgewand durch die Tempelanlagen huschen.

Sie beginnen in den frühen Morgenstunden zu studieren und gegen 6 Uhr morgens machen sie sich auf zum Almosengang. Der Almosengang ist ein tief religiöses Ritual, dass jeden Tag aufs Neue passiert. Die Mönche bekommen nur eine Mahlzeit pro Tag, die sie bis 12 Uhr mittags zu sich nehmen dürfen. Danach wird bis zum Nächsten Morgen gefastet. Ihre Mahlzeit bekommen die Mönche von den Einheimischen. Diese sitzen neben der Straße bereit mit allem, was sie geben möchten. Meist gibt es Reis, Obst und Gemüse. Zu Hunderten ziehen die Mönchen durch die Hauptstraße in Luang Prabang und holen sich dankbar ihre Almosen abholen. Die ältesten Mönche kommen zuerst, danach die jüngeren. Diese Zeremonie ist sehr emotional und die Einheimischen haben einen großen Respekt vor den Mönchen.

Wir freuten uns bereits sehr, das Spektakel mit zu erleben, wurden aber bei genauerer Recherche auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ganze Touristenbusse kommen in den Morgenstunden hier an, Urlauber aus aller Welt drängen sich am Straßenrand um den besten Platz zum Fotografieren zu ergattern. Die Besucher drängen die Mönche um ein Foto, zeigen in keinster Weise Respekt vor dieser Zeremonie. Aus verschiedenen Artikel lasen wir, dass die Mönche bereits sehr überfordert sind mit all dem Trubel und dem „Zur Schau gestellt werden“. Leider können sie sich nicht wehren und nehmen jeden Tag aufs neue die Unverschämtheit der Touristen hin. Viele fürchten, dass es diesen Almosengang nicht mehr lange gibt, da der Touristenboom mehr und mehr zunimmt und irgendwann einfach kein Raum mehr für die Mönche bleibt und sie sich zurückziehen werden. Durch diese Erkenntnis beschlossen wir, den Almosengang nicht zu besuchen und Alex, keine Fotos von den Mönchen zu machen. Auch nicht tagsüber. Aus Respekt und Mitgefühl ließ er die Kamera aus und gab so den Mönchen ein bisschen Respekt zurück. Ich unterstütze diese Entscheidung voll und ganz und hoffe, dass Luang Prabang Wege findet, den Mönchen der Stadt die Ruhe und den Respekt zurückzugeben, den sie verdient haben.

Vang Vieng – einmal Magenbitter bitte, oder doch einen Ballon?!

Leider hat es uns in Vang Vieng noch einmal erwischt. Verdorbenes Essen. Da ich länger brauchte um wieder fit zu werden, machte ich gezwungener Maßen ein paar Tage Pause. Alex gewann den Kampf gegen die Bakterien schneller und konnte noch so einige Eindrücke in Vang Vieng sammeln. Nicht nur rundum die Stadt fand er ein paar spannende Motive. Auch aus der Luft bekam er einen ganz neuen Einblick. Im Heißluft-Ballon zwischen den grünen Karstbergen erlebte Alex einen Sonnenaufgang der Extraklasse und lichtete Vang Vieng von einer ganz neuen Seite ab.

Vientiane und die unerwartete Geschichte von Laos

Nach einer 4 stündigen Horrorfahrt im Minivan über Schlaglöcher und Schotterstraßen kamen wir endlich in Vientiane an. Wir waren nach ein paar Tagen beiden wieder fit, doch die Fahrt erschien uns dieses Mal endlos.

In Vientiane gibt es ehrlich gesagt nicht viel zu sehen. Ein paar Straßen mit Restaurants und Hotels, ein Nachtmarkt und einen Park. So verbrachten wir hier einen Tag zum Arbeiten und einen Tag um uns ein wenig der laotischen Geschichte zu widmen. Wir besuchten das COPE Visitor Center (Cooperative Orthoptik and Prosthetic Enterprise). Das Zentrum veranschaulicht auf eindrucksvolle und ebenso traurige Art und Weise die Folgen der unkontrollierten Bombardierungen ganzer Landstriche Laos durch die USA im Zuge des Vietnam Kriegs. Laos hatte nichts mit dem Vietnam Krieg zu tun und trotzdem gilt es nun als das meist bombardierte Land der Welt. Die USA hat damals die Neutralität Laos ignoriert, das Land zerstört. Unschuldige Leben ausgelöscht. Noch heute hat das Volk mit den Folgen der Bombardierungen zu kämpfen. Auch befindet sich immer noch einzelne Streumunition in Laos Landschaft. COPE hilft Familien mit den Beeinträchtigungen, die sie durch die Bomben der USA erlitten, leben zu lernen. Kinder verloren Arme und Beine. Das Material der Bomben war nach der Kriegszeit sehr begehrt und von den Einheimischen gehandelt. So machten sich viele arme Menschen auf die Suche nach ihnen. Nur waren leider viele noch scharf. Das Visitor Center erzählt traurige Geschichten über laotische Familien die von einem Tag auf den anderen mit Verlusten, Verstümmelungen und Schmerz zu kämpfen hatte. Ohne Vorwarnung, ohne Grund. Das Zentrum bietet Zuflucht und Hilfe für die Betroffenen. Es werden Arm- und Beinprothesen hergestellt um den Opfern auf ihrem Weg zurück in die Unabhängigkeit zu helfen. Es gibt ein Reha-Zentrum und eine Sporthalle für Rollstuhlfahrer. Das Zentrum existiert durch Sponsoren, Spenden und ehrenamtliche Helfer. Ich hoffe, dass auf diesem Weg noch vielen Betroffenen geholfen und Mut zu einem neuen Leben zugesprochen werden kann.

zur COPE Laos Homepage…

Von Laos wussten wir vor der Reise nicht viel. Doch jetzt, wo 2 Wochen vorbei sind und unsere Laos Reise ein Ende nimmt, reisen wir weiter mit vielen Eindrücken und Erinnerungen an das Land. Die Geschichte, die Menschen und die Natur machen Laos aus. In Luang Prabang lernten wir Respekt zu zollen, in Vang Vieng die Schönheit des Landes zu schätzen. Und in Vientiane erkannten wir, wie wenig wir eigentlich über die Geschichte der Welt wissen.

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