Reise durch Vietnam III – Die verrückte Hauptstadt Hanoi

Als wir früh morgens in Dong Hoi in den Zug stiegen, war Alex bereits angeschlagen. 11 anstrengende Stunden in unbequemen Sitzen machten die Grippe endgültig. Durch die Anstrengung und die schlechte Luft kam Fieber dazu und uns war klar, dass der Aufenthalt in Hanoi länger dauern würde als geplant. Als nach zwei Tage noch nicht viel Besserung in Sicht war, beschlossen wir, die restlichen Ziele in Vietnam abzusagen und buchten direkt einen Flug nach Laos, da wir ohnehin in ein paar Tagen ausreisen mussten. Der eigentliche Plan war eine Nacht in der Halong Bay und ein paar Tage wandern in Sapa. Von dort aus wollten wir mit dem Bus nach Laos weiterfahren. Dies hätte jedoch mehrere Tage gedauert, da die Landschaft sehr bergig und schwer befahrbar ist und wir wussten ja nicht, wann es Alex wieder bessergehen würde. Wir sind traurig, diese Ziele verpasst zu haben, aber Gesundheit ging natürlich vor und so lernten wir Hanoi kennen. Mit all seinen Macken und Facetten.

Hanoi – wo zum Teufel sind wir hier?!

Natürlich hatte ich einige Aufgaben, als Alex krank war. Medikamente, Essen und Wasser besorgen, Tee machen, Frühstück bringen, Wadenwickel, Bett frisch beziehen, organisatorisches erledigen, nächstes Hotel buchen. Da kommt schon einiges zusammen. So hatte ich eigentlich nicht wirklich ein Auge für die Stadt in der ersten Zeit. Ich war meistens auf der Suche. Vor allem nach Apotheken, wo man auch ein wenig englisch verstand. Die Straßen waren chaotischer als im Süden, lauter und die Menschen unfreundlicher. Teilweise geradezu miesepetrig, was mich aufgrund der Umstände noch mehr nervte. Keiner nimmt Rücksicht auf den Nächsten, es wird auf die Straße gespuckt, Müll wird einfach fallen gelassen. Beim Essen wird geschmatzt was das Zeug hält. An manche Verhaltensweisen kann man sich eben nie gewöhnen. Wenn man den Touristen beim Straße queren zusieht, weiß man genau, ob sie schon länger in Hanoi sind oder erst angekommen. Manche Locals bieten sich um ein paar Cents an, dir über die Straßen zu helfen. Der Verkehr ist verrückt, wir haben es bis jetzt jedoch immer alleine überlebt. Doch für so manch ältere Touristen sind diese Angebote wohl sehr willkommen. Über Hanoi sagt man „love it or leave it“. Das heißt soviel wie, entweder du kommst mit den Macken klar oder eben nicht. Tja, ich brauchte meine Zeit, um klarzukommen. Nach den ersten Tagen nahm ich mir ein paar Stunden und schaute mir ein Wasserpuppen Theater an. Ein Klassiker in Hanoi und ein Stück Kultur. Ich wollte Hanoi eben doch irgendwie eine Chance geben. Das Theater wurde auf vietnamesisch gespielt, war aber recht lustig anzusehen. Es befand sich an einem der vielen Seen in der Stadt und rund herum gab es viel zu sehen. Am See konnte man einen Tempel besuchen, rund herum führt ein hübsch angelegter Park. Ich spazierte eine Weile durch Hanois Altstadt und hatte das Gefühl, dass sich ab diesem Tag meine Sympathie für die Stadt heben würde.

 

Alles hat auch seine schönen Seiten

Nach etwa einer Woche fühlte sich Alex wieder besser und wir erkundeten gemeinsam unsere letzte Station in Vietnam. Wir schlenderten wieder vereint durch die Straßen und ich konnte mich besser auf Hanoi einlassen als zuvor. Vielleicht lag es an der Gesamtsituation, dass es mir schwerfiel, manche Dinge zu akzeptieren. Die Stadt ist voll von Bäumen zwischen den Häusern und Straßen. Als baute man sie mitten in den Dschungel. Wir wohnten in der Altstadt, im Zentrum. Die Luft ist trüb, an vielen Ecken werden Fleischspieße und Mais gegrillt. Wir lieben die Lebensmittel-Märkte, die es hier überall gibt. Geht man gemütlich durch solch einen Markt, erlebt man eine Reise der Gerüche. Zwiebel, Knoblauch, Blumen, Orangen. Auf diesen Märkten gibt es alles in Massen. Zwischendurch kauften wir uns frisches Obst oder eines der knusprigen Baguettes. Wir erlebten in den letzten Tagen ein Festmahl nach dem anderen. Das muss man Hanoi lassen, wir bekamen hier das abwechslungsreichste Essen des Landes. Es gab einen Nachtmarkt, eine lange Straße wird jeden Samstag gesperrt, mit Lampions beleuchtet und alle Restaurants verlegen ihre Sitzplätze nach draußen. So genossen wir ein leckeres Freiluft BBQ, bei dem wir Pilze, Melanzanie und vieles mehr selbst grillten. Ab und an holten wir uns einfach einen Kebap, den man an fast jeder Ecke bekommt und der voll ist mit frischem Gemüse, Fleisch und einem würzigen Saucen-Mix. Natürlich, wie könnte es anders sein, verkosteten wir Pho in verschiedenen Restaurants und das beste Restaurant erhielt auch einen Besuch von uns. „Wanna Waffle“ ist gekürt als das beste Restaurant der Stadt. Wir ließen uns unsere eigene Waffel zusammen stellen mit Eis und Saucen und waren hin und weg von solch einer hohen Qualität. Bei einem „Bia Hoi“ auf einem Plastik Hocker neben der Straße und hunderten anderen Menschen ließen wir Vietnam ausklingen.

 

Wir können nun Hanoi doch noch positiv in Erinnerung behalten. Es dauerte eine Weile, bis man sich zurechtfindet und manche Verrücktheiten akzeptieren kann. Aber lässt man sich erst mal darauf ein, wird es auch leichter. Ich werde die Stadt wohl eher nicht mehr besuchen, da ich generell nicht gerne länger in einer chaotischen Großstadt bin. Aber man sollte Hanoi einmal gesehen, gerochen und erlebt haben. Viele Eindrücke warten darauf, aufgesaugt zu werden. 

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