Reise durch Vietnam II – Das vielfältige Zentrum

Hoi an hat uns von Anfang an gefallen. Die friedliche Kleinstadt liegt eine halbe Stunde Autofahrt von der nächsten größeren Stadt Da Nang entfernt. So ein kontrastreiches Programm wie hier hatten wir schon lange nicht mehr. Der Phong Nha Ke Bang National Park in der Nähe von Dong Hoi hat uns überrascht und mit seinen Höhlen neugierig auf das noch unerforschte Vietnam gemacht.

Hoi An – Stadt der Lichter & Lampions

Das erste Highlight befand sich gleich hinter unserem Hotel, dass sich einen Kilometer außerhalb der Stadt befand. Unendliche Reisfelder und mitten darin Wasserbüffel. Sie baden liebend gerne in den Sumpflöchern zwischen den Feldern, wenn sie nicht gerade zur Arbeit am Feld gebraucht werden. Rund um das Hotel gab es nicht viel mehr außer diesen wunderschönen Reisfeldern und ein kleines vietnamesisches Restaurant, indem sich abends die Einheimischen beim Karaoke amüsierten. Die Hoteleigentümer waren eine junge herzliche Familie, die ihr Hotel gerade erst eröffnet hatten. Sie waren unglaublich hilfsbereit und gastfreundlich. Wir wurden sogar zu einem köstlichen Mittagessen eingeladen. Der Tisch war voll von Delikatessen. Sie wollten uns zwar wie gewohnt immer wieder überzeugen, länger bei ihnen zu bleiben und am liebsten hätten sie unsere ganze Reise organisiert. Doch bei dieser Familie hätten wir sogar verlängert, wäre nicht das Zugticket bereits gebucht gewesen. So gut hat uns Hoi An gefallen. In 15 Minuten ist man im Zentrum der Schneiderstadt. Es herrscht viel weniger Verkehr und es gibt eine Fußgängerzone. Die Hauptattraktion ist die Straße am Fluss. Lampions schmücken die Gebäude, ein ausgefallenes Café reiht sich an das nächste. Es ist zwar sehr touristisch hier, das stört jedoch nicht weiter, weil es so viel zu sehen gibt, dass man den Trubel gar nicht mitbekommt. Der Fluss verwandelt sich abends zu einem leuchtenden Schauspiel, Kerzen schwimmen zwischen den kleinen Holzbooten flussabwärts, die Lampions machen die Nacht zum Tag. Man schlendert vorbei an etlichen Straßenverkäufern, die sich abends hier zum Besten geben oder gönnt sich einen kalten Fruchtsaft in einem der kleinen Restaurants. Am großen Nachtmarkt wird der Fang vom Tag und wie immer frisches Obst und Gemüse angeboten. Hoi An ist eine Stadt zum Schlendern und Zusehen. Wir erholten uns vom Großstadtgetümmel und machten uns ein paar gemütliche Tage. 

Bei den fleißigen Schneiderlein

Wie bereits erwähnt, ist Hoi An die Schneiderstadt Vietnams. Generell ist Vietnam bekannt für günstige Schneiderpreise und gute Qualität. Jedoch hier hat man das größte Angebot. Die Straßen um und im Zentrum bestehen schon fast aus Schneidergeschäften. Da das Angebot wirklich groß war, entschieden auch wir, uns das ein oder andere Teil Maßschneidern zulassen. Wir gingen zu „Bebe Tailor“, ein sehr beliebter Schneider in der Stadt. Man empfing uns mit kühlem Wasser und jeder von uns war erst mal platt, als wir eine komplette Wand voll mit Stoffen sahen. Das würde interessant werden. Alex und ich bekamen unsere eigenen Schneiderinnen und fühlten uns wie in einer anderen Welt. Zuerst mussten wir natürlich erklären, was wir haben wollten und in welcher Farbe. Alleine das war eine Herausforderung für uns. Es gibt schon hunderte Farben, warum muss es dann auch noch so viele Materialien geben? Wir waren begeistert, überfordert und belustigt zugleich. Als wir uns erst mal entschieden und auf einen Preis geeinigt haben, wurde allerhand Maß genommen. Mittlerweile arbeiteten 4 Schneiderinnen rund um uns. Zwei nahmen unsere Maße, die anderen schrieben sie auf. Beim Ersten Termin ist eine gute Stunde vergangen. Bereits am nächsten Tag konnten wir unsere Sachen anprobieren. Es wurden Änderungen festgelegt, die bis zum dritten Tag fertig sein sollten. Da sich das nicht ganz ausging, brachte man uns die Ware sogar ins Hotel. Der Service war im Nachhinein recht professionell, man merkt, dass hier tagtäglich mehrere Anzüge geschneidert werden und die Leute ihr Handwerk durchaus beherrschen. Die Beratung und Anprobe ging hier zwar eher in Form der Massenabfertigung von statten, aber zu diesem Preis störte uns das auch nicht weiter. Man sollte nur darauf achten, dass die Kleidung auch passt. Mein Blazer war anfangs am Rücken etwas zu eng und die Schneiderin meinte, das gehöre so. Sie wollte sich natürlich den zusätzlichen Aufwand für die Änderung ersparen. Aber wozu geht man zu einem Schneider, wenn dann nicht alles genau sitzt? Man muss standhaft bleiben, was bei der Überzeugungskraft der Schneiderinnen oft gar nicht so leicht ist. Am Ende hat trotzdem alles gut funktioniert. Alex hat nun einen sehr eleganten Anzug mit Hose, Waist Coat und 2 Hemden und ich den ersten Blazer, der auch wirklich sitzt und eine Bluse. Zusammen haben wir für diese 6 Kleidungsstücke im sehr angenehmen Stoff und wunderbarer Verarbeitung 300 Euro bezahlt und sind sehr glücklich und zufrieden damit.

Schlemmen, wie die Könige – ein Kochkurs der besonderen Art
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Bevor wir uns die vietnamesische Küche genauer zu Gemüte führten, verbrachten wir einige Zeit am Markt. Unser Guide nahm unsere Gruppe, bestehend aus ca. 10 Leuten, mit zum Frischmarkt. Wir lernten bereits viele Märkte kennen, doch es macht schon einen Unterschied, Dinge erklärt zubekommen. Und vor allem durften wir einiges probieren. Getrocknete Kokosnuss, bittere Melone, frisches Zitronen Basilikum. Wir kauften einige Zutaten für unsere Gerichte und machten uns dann mit einem Boot auf den Weg. Etwa eine halbe Stunde genossen wir die laue Brise auf dem Boot, passierten etliche Fischzuchten, große Netze waren zwischen Bambusrohren gespannt. Auch bei zwei Fischern kamen wir vorbei, die uns ihre Kunst des Netz Auswerfens näherbrachten. Alex versuchte gekonnt sein Glück, das Netz breitete sich aus während es durch die Luft flog. Hätte er es nicht gleich wieder einholen müssen, wäre vielleicht ein Fisch darin gelandet, wer weiß. Im runden Kokosnuss-Boot chauffierten uns ein paar Anrainer einen kleinen Flussarm entlang dschungelartiger Umgebung. Palmenblätter hingen weit in den Flussarm hinein, die Kochstation befand sich mitten drin. Bevor der Kurs losging bekamen wir alle noch kühle Erfrischungstücher und kalten Tee. Und aus irgendeinem Grund spielten wir eine Runde Pinata mit Tonkrügen, die extra am Markt noch gekauft wurden. Wir hatten unseren Spaß, schmunzeln aber bis heute über die Verschwendung der Tonkrüge. Für Erwachsene wohlgemerkt. An einem größeren Teich hatten wir noch die Möglichkeit, zu angeln. D.h. Man hält die Schnur an einem Bambusrohr befestigt in den Fischschwarm und wartet ca. 10 Sekunden, bis der erste anbeißt. Für 3 Euro kann man sich den Fang zusätzlich zubereiten lassen. Dieses „Pfützen fischen“ ist nicht so unser Ding, also blieben wir bei den Gerichten, die wir selbst zubereiten durften. Und diese waren einmalig. Mit Schürze und Kochmütze ausgestattet bekam jeder sein Schneidebrett und ein ordentliches Hackmesser. Die Chefköchin war sehr nett und alle staunten, als sie zu schnippeln anfing wie ein Haubenkoch in einer Abendsendung. Wir schnippelten Ingwer, Karotten, Knoblauch, Zwiebel und noch mehr Ingwer. Zu den Gerichten kamen dazu Hühnerfleisch, Garnelen und natürlich viele Sojasprossen. Als Vorspeise gab es selbstgerollte, frische Frühlingsrollen mit Erdnussbutter-Dip. Ein unglaublicher Mix aus süß und sauer, ich war im Schlemmer-Himmel. Auch Krabbenchips machten wir selbst. Diese Chips sind ganz klein bis man sie in das heiße Öl gibt und sie von alleine wachsen, was ganz witzig aussieht. Als Hauptspeise kochten wir vietnamesische Pfannkuchen. Das skurrilste Gericht beim Kurs. Die Pfannkuchen bestanden aus Kurkuma-Teig, der über ein paar Fleischstreifen und Shrimps in die Pfanne gegossen wird. Oben drauf kommen noch Sojasprossen und ein Taubenei. Ja genau, ein Taubenei. Der Pfannkuchen wird zusammengeklappt und wie ein knuspriger Tacco gegessen. Und ich kann nur sagen, mit dem Chili-Dip dazu war dieses Gericht erste Sahne. Abgerundet wurde das Menü mit einem scharfen Papaya-Erdnuss-Salat. Darin befanden sich zusätzlich Shrimps, Sojasprossen und Hühnchen. Natürlich verspeisten wir das Ganze mit Reis, Lebensmittel Nummer eins in Vietnam. Wir hatten viel Spaß und lernten praktische Koch-Methoden für zu Hause. Die Rezepte sind gut verpackt im Rucksack und warten darauf, von uns zu Hause nachgekocht zu werden. Wir genossen den Tag und lernten mit unserer Gruppe und den Kursleitern ein paar tolle Menschen und ein Stück Kultur kennen.

Die Höhlen im Phong Nha Ke Bang National Park

Vietnam ist bekannt für seine großen Höhlen. Erst vor ein paar Jahren wurde die größte Höhle der Welt entdeckt. Da man aber etwa ein Jahr im Voraus buchen und 3.000 Dollar bezahlen muss um ein paar Tage darin zu wandern, haben wir uns für die Variante der Normalsterblichen entschieden. Auf unserem Tagesausflug fuhren wir mit Guide und Gruppe zur Paradise Cave und zur Phong Nah Cave. Generell ist es in Vietnam eher schwierig, Ausflüge auf eigene Faust zu organisieren. Die Menschen sind bekannt dafür, Umwege zu fahren oder sich gar „ganz zufällig“ zu verfahren, um Touristen abzuziehen. Ein öffentliches Verkehrsnetz gibt es eigentlich nur in den Städten oder von Stadt zu Stadt, aber gewiss nicht zu Höhlen, Flüssen oder Wäldern. Somit entschieden wir uns für eine geführte Tour. Wir fuhren tief in die Berge, durch dicht bewachsene Serpentinen bis wir nach etwa einer Stunde bei der ersten Höhle ankamen. Ein paar hundert Meter gingen wir bergauf bis zum Eingang der Naturschönheit. Einen Kilometer konnten wir auf unserer Tour in die Höhle hinein, die voller Stalagmiten, Stalaktiten und wunderschön beleuchtet ist. Die Höhle ist 31 Kilometer lang, an einigen Stellen bis zu 100 Meter hoch und 150 Meter breit. Die größte Höhle, in der ich jemals war. Über Holzstege bewunderten wir die schönen Wände, Steingebilde und Farben. Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg zur zweiten Höhle. Diese lag etwa eine halbe Stunde entfernt und war nur mit dem Boot erreichbar. Wieder fuhren wir eine gute Stunde an einem großen Fluss entlang. Die Leute wuschen ihre Kleidung, arbeiteten auf ihren Booten oder ließen ihre Wasserbüffel ein Bad nehmen. Ich mag diese sanften Giganten. Die Besonderheit an dieser Höhle ist, dass man mit dem Boot hineinfährt. Ein Fluss, der bis zu 10 Meter tief ist, fließt weit in das Innere und verleiht der Höhle etwas Mystisches. Teilweise konnten wir die Wand über unseren Köpfen berühren, hörten Fledermäuse in ihren dunklen Verstecken. Im Fluss leben blinde Aale. Da es ohnehin dunkel ist in der Höhle, brauchen die Aale kein Augenlicht, somit ließ die Evolution die Tiere wohl erblinden. An einem kleinen Sandstrand stiegen wir aus und gingen ein Stück zu Fuß wieder zurück. Der Boden war sandig und weich, das Bild zum Höhleneingang war gigantisch. Uns gefiel diese Höhle sehr, noch nie hatten wir so etwas gesehen. Der Ausflug war ein tolles Erlebnis, dass man nicht missen sollte, wenn man durch Zentral Vietnam reist.

Von Dong Hoi, unserem Ausgangspunkt zu den Höhlen, fuhren wir mit dem Zug 11 Stunden lang nach Hanoi weiter. Was wir in der Hauptstadt erlebten, erzähle ich euch im dritten und letzten Teil meiner „Reise durch Vietnam“.

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