Reise durch Vietnam I – Der historische Süden

Das Flugzeug landet am international Airport Ho Chi Minh City, Vietnam. Wir holen unser Gepäck, steigen in ein Taxi und tauchen ein in eine völlig neue Welt. Die Straßen sind laut und voll. Der Vietnam Krieg wird nie vergessen sein, zu stark ist das Land geprägt. Der Süden Vietnams hat uns beeidruckt, nachdenklich gestimmt und auch neues gelehrt.

Ho Chi Minh City – das alte Saigon

Die ersten Eindrücke waren Chaos und Kreativität, die Stadt scheint sich im Aufbau zu befinden. Die Straßen sind überfüllt mit Mopeds, das günstigste und praktischste Verkehrsmittel hier. Die ganze Familie sitzt am Moped, es gibt relativ wenige Regeln, bei Rot umrundet man die Ampel am Gehweg. Spaziert man durch Ho Chi Minh, auch Saigon genannt, dauert es eine Weile, bis man das laute Getöse des Verkehrs und das ständige Hupen ausblenden kann. Hat man sich daran gewöhnt, kann man die Stadt selbst auf sich wirken lassen. Viele Leute hatten uns im Vorfeld gewarnt, dass Vietnam ein eher kühles Volk ist. Eigentlich wurden wir recht herzlich in den Hotels aufgenommen und fühlten uns wohl. Was jedoch den Unterschied zu anderen Ländern Asiens macht, Die Menschen wollen verkaufen. Und wenn du bereits Hotel, Taxi und Ausflug gebucht hast, finden die Hoteleigentümer bestimmt noch etwas, das du unbedingt buchen solltest. Mit der Verkauferei können wir mittlerweile ganz gut umgehen, was jedoch das Bild Vietnams etwas trübt ist, dass wenn du nein sagst, ist jegliches Lächeln und die Freundlichkeit futsch. Man ist beleidigt, weil Touristen ja eigentlich eh nur wandelnde Geldautomaten sind. Wie gemein von uns. Das ist schade. An vielen Ecken findet man Cafés mit überragender Kreativität, mit Liebe zum Detail. Das Angebot ist vielfältig und qualitativ hochwertig. Setzt man sich in den Stuhl oder auf die Couch eines solchen Cafés, fühlt man sich eher wie in New York City als in Vietnam. Die Stadt hat einige Parks. Man trifft Einheimische beim Sport, Tanz oder Picknick. Es gibt alte historische Gebäude und ein großes Kriegs-Museum, dass einen durch den großen Vietnam Krieg führt. Überall findet man die Nationalflagge und alte Statuen. Politisch wichtige Gebäude werden von bewaffneten Soldaten bewacht. Es gibt große Straßenmärkte, die wir besuchten, bei denen man von einem Maßanzug bis hin zu getrockneten Shrimps nahe zu alles bekommt. Es heißt, was du hier nicht bekommst, findest du auch nirgendwo sonst in Ho Chi Minh. Man kann viel zu Fuss erleben und in den geschäftigen Alltag der Händler, Taxifahrer und Überlebenskünstler eintauchen.
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Die Mutter des Wassers „Cuu Long“ – ein Besuch beim Mekong Delta

Das Mekong Delta befindet sich eine holprige 3 Stunden Bus-Fahrt von Ho Chi Minh entfernt. Bei unserem Ausflug lernten wir das Leben am Fluss und nationale Süßigkeiten kennen. Der Mekong fließt durch 6 Länder, wobei Vietnam das letzte ist, bevor der Fluss in das offene Meer mündet. Mit einem kleinen Boot wurde unsere Gruppe durch seine Seitenarme vorbei an einem schwimmenden Markt gefahren. Die Menschen verkaufen Obst, Gemüse und vieles mehr. Am Bug des Bootes sind lange Bambusrohre fixiert, mit dem Gut darauf hängend, das auf diesem Boot verkauft wird. Wenn du also eine Kartoffel auf einem Bambusrohr siehst, weißt was du bekommst, ganz simpel eigentlich. Ist ein Kahn überladen, kein Problem. Es wird einfach eine Pumpe dazu genutzt, das hereinlaufende Wasser wieder abzupumpen, denn auch Erde und Maschinen werden so wie alles andere mit den Booten transportiert. Die Menschen wohnen so lange auf ihren Booten, bis ihr Vorrat verkauft ist. Das dauert meistens mehrere Tage. Dann fahren sie für ein paar Tage zurück nach Hause um neuen Vorrat zu besorgen. Auf den uralten Booten wird gekocht, sich gewaschen und der Fluss dient ebenso als Trinkwasserquelle für die Bewohner. Beim Anblick des ganzen Mülls, den man im Wasser findet, sollte man nicht anfangen über allgegenwärtige Krankheiten nachzudenken. Es schwimmen jegliche Chemikalien von den ansässigen Pengasius Fisch-Zuchten flussabwärts und verseuchen das Wasser noch mehr. Kinder in diesem Gebiet gehen selten zur Schule, da der Weg dahin weit ist und die Eltern meistens zu wenig Geld dafür besitzen. Somit kommt es schon mal vor, dass dir ein 5-jähriges Mädchen ihre selbstgemalten Grußkarten verkaufen möchte. Wir wurden in eine Coconut-Candy-Fabrik eingeladen und konnten bei der Produktion zusehen. Es wurde Pop-Reis hergestellt. Am Anfang verläuft die Herstellung wie bei Popcorn und anschließen wir der Reis mit Honig und verschiedenen Geschmacksrichtungen zu einer Art süßem Reiswürfel verarbeitet. Klingt komisch, ist aber so lecker, dass wir uns einen Vorrat mitgenommen und am selben Abend noch vernascht haben. Die süßen Kokosnuss Bonbons werden wahrscheinlich ebenso noch mal in unsere Rucksäcke finden. Mit einem 150 Jahre alten Waffenrad (oh Mann, ich liebe diese alten weichen Sättel) ging es dann Richtung einem Restaurant, wo wir unseren Lunch hatten und die 3 Meter große Haus-Schlange in ihrem 1 Meter großen Käfig begutachten und streicheln konnten. Mit einem ortstypischen Holzboot paddelten wir mit den Einheimischen durch ein paar kleinere Seitenarme des Mekong. Der Fluss war dicht von Wasserpflanzen bewachsen, zwischen den dichten Bäumen konnten wir ansässige Familien in ihren Häusern auf Stelzen sehen. Ein Junge wusch sich gerade die Haare, und als er uns sah, hüpfte er rasch in den Fluss, ich denke er fühlte sich bei seiner Morgendusche ertappt. Der Besuch am Mekong war interessant und zeigte uns eine ganz eigene Seite Vietnams.

Ein wenig Geschichte

Was mit einem Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südvietnam um den Kommunismus begann, endete mit Millionen Toten und einem Krieg zwischen Vietnam, USA und Frankreich. Nach dem 20-jährigen Drama gab es letztendlich 3-4 Millionen Tote, darunter 74% unschuldiger Zivilisten. Der Krieg verschlang 676 Billionen US Dollar, um mit über 14 Millionen Tonnen Bomben und anderen Waffen Vietnam zu zerstören. Weltweit wurde gegen diese ewig erscheinende Schlacht protestiert, auch in Österreich gingen die Leute zwischen 1955 und 1975 auf die Straßen und erhoben ihre Stimmen. Nach Beendigung des Krieges sind Land und Volk für immer gezeichnet und der Kommunismus blieb. Durch damals verwendete chemische Waffen gab es viele Fehlgeburten, viele Kinder kamen mit einer Beeinträchtigung zur Welt. Menschen haben im Kampf Beine oder Arme verloren. Oder sind erblindet. Heute trifft man viele der Kämpfer und der Chemieopfer auf der Straße, in ausrangierten Rollstühlen oder mit selbstgebastelten Blindenstöcken. Vietnam hat eine traurige Vergangenheit, die immer noch sehr präsent ist. Im Kriegsmuseum findet man alte Kriegsfahrzeuge, Bilder umgekommener Journalisten hängen in der Galerie und lassen einen erschaudern.

Das Tunnelsystem von Cu Chi

Unsere Generation ist zu weit weg von dem Geschehen um sich nur irgendeine realistische Vorstellung von dem ganzen Geschehen zumachen. Und trotzdem weckte Vietnams Geschichte unser Interesse. So besuchten wir für ein paar Stunden die Cu Chi Tunnel. Ein 250 Kilometer langes Tunnelsystem, indem während des Krieges die Leute Cu Chis lebten, um sicher zu sein. Das Tunnelsystem entspricht einem Spinnennetz. Es gibt mehrere Etagen in denen man Schlafplätze, Essplätze und Kampfplätze erschuf. Am Areal durch das man geht sind noch einige große Krater von Bombenanschlägen zusehen. Aber da die Erde hier hart wie Stein ist, waren die „Cu Chi People“ sicher. Eingänge in die Tunnel gibt es überall versteckt im Boden, gerade groß genug für die zierlichen vietnamesischen Körper. Man kochte nur morgens, da der Rauch, der durch die kleinen Luftgänge kam die Menschen ansonsten verraten hätte. Morgens lag Nebel über dem Ort, was die Bewohner auch nutzten, um ihr Geschäft am Fluss zu verrichten. Es gab tödliche Stolperfallen in den Gängen, man konnte nur gebückt durchkriechen. Eine kleine Strecke durften wir ebenfalls durch die Tunnel. Wobei diese für den heutigen Tourismus größer gemacht wurden, fiel es uns schwer, in dieser Enge und Dunkelheit klarzukommen. Teilweise krochen wir auf allen vieren, es war stickig und dunkel. Ein komplett ausgeklügeltes System. Bis zu 17 Jahre verbrachten die Menschen in diesen Tunneln. Kaum zu glauben, welche körperliche und geistige Leistung dazu nötig ist, in diesen Höhlen nicht nur zu leben, sondern erst recht nicht durchzudrehen. Von weitem konnten wir es bereits hören. Schüsse. Die AK47 wird hier zum Touristenspaß. Für ein paar Euro bekommt man 10 Schüsse mit der tödlichsten Waffe der Welt. Gehörschutz auf und los gehts. Mir war etwas mulmig zumute. Da kommt man in ein Gebiet, eines der blutigsten Kriegsschauplätze und ist sowieso schon irgendwie gedämpft (keiner rennt lachend und voll belustigt durch ein Kriegsmuseum oder -gelände) und dann bekommt man ein paar Schüsse mit dem Maschinengewehr angeboten, dass einen Großteil zu genau diesem Krieg beigetragen hat. Es gab einen Shop mit Souvenirs und Süßigkeiten und 5 Meter daneben wurde geballert. Die Guides hatten sichtlich Spaß dabei, den Leuten die Waffe vorzustellen, so bekam unser Ausflug irgendwie einen seltsamen Beigeschmack. Das ist Touristen-Entertainment, dem Alex und ich persönlich nicht folgen können. Immerhin gab es als Abschluss Tapioka mit Salz-Erdnuss-Bröseln, was früher für die Menschen in den Tunneln sehr nahhaft und leicht zu zubereiten war. Und es schmeckte auch noch lecker.

Cu Chi war für uns ein Erlebnis, das uns viel über die Vergangenheit Vietnams verriet. Leider wurde von den Guides nach unserem Geschmack etwas zu viel über Waffen, Fallen oder die Tunnel gescherzt. Ho Chi Minh selbst wird uns gut in Erinnerung bleiben. Die Stadt hat einiges an Potenzial und befindet sich bereits im Aufbau. In ein paar Jahren wäre es bestimmt interessant, sich all die Veränderungen anzusehen.

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