Alleine oder doch gemeinsam um die Welt?

Lektion: Angst hat man meist vor dem Unbekannten, wenn man es kennen lernt, verschwindet auch die Angst 

Die erste Zeit alleine unterwegs

Martina
Die Menschen in den meisten Ländern unterhalten sich unheimlich gerne über Gott und die Welt und das mit jedem. Es ist selbstverständlich, dass man bei der Begrüßung ein paar Sätze miteinander spricht, sich austauscht. In Hostels sind Gleichgesinnte unterwegs. Jeder hat etwas zu erzählen, reist und freut sich, Gesellschaft zu haben. So war es nicht schwer, als ich in meinem 5 Bett Hostelzimmer ankam. Ich lernte Antonia und Lina kennen. Beide sehr offen und interessiert. Wir verstanden uns von Anfang an, so fühlte ich mich gleich wohl. Man darf sich einfach nicht verstecken, man sollte auf die Leute zugehen und Interesse zeigen, gleiches wird zurück kommen. So genoss ich meine Zeit allein, wenn ich das Verlangen hatte und unternahm etwas in Gesellschaft, wenn ich Nähe suchte.

Alex
Das wir in Australien die erste Zeit alleine unterwegs sind war schon länger geplant, deshalb konnten wir uns im Gedanken schon ein wenig darauf vorbereiten. Aus unserer gemeinsamen Reiseroutine heraus war es kein Problem den richtigen Weg zur Unterkunft zu finden. Im Hostel angekommen musste ich „leider“ feststellen, alle Mitbewohner im Dorm waren deutschsprachig. „Leider“ deshalb, da ich voll motiviert war mein englisch zu trainieren. Aber so schnell konnte ich gar nicht schauen war ich Teil einer multikulturellen Gesellschaft im Hostel. Die ersten Tage allein vergingen wie im Flug. Da es keinen Input wie zB. „wir könnten heute … machen“ vom Reisepartner gibt, heißt es selbst Ideen zu sammeln, Entscheidungen zu treffen und auf die innere Stimme zu hören, was man denn eigentlich machen und erleben will. 

Wenn ich alleine reise mag ich…

Martina
Das Spontane. Ich liebe es, durch die Gegend zu spazieren und einfach zu tun, was mir als nächstes einfällt. Ich liebe es, einfach da zu sitzen und meine Gedanken ziehen zu lassen. Gerade sitze ich in einer Bar, neben der Strasse. Das Getümmel rauscht an mir vorbei und ich genieße es, die Menschen zu beobachten. Manchmal tippe ich bei absoluter Stille meine Texte und fühle mich, als würde sich das Erlebte wiederholen. Da man alleine ist, lernt man viel mehr Leute kennen. Auch zu zweit lernt man Leute kennen, nur ist es alleine intensiver. Man unterhält sich anders, mehr und öfter. Man sucht ja trotzdem Gesellschaft und Kontakte.

Alex
Die Erfahrungen die man macht, was man sieht und die Menschen die man kennenlernt ist einzigartig. Man kann sich sicher sein das dies zuvor noch keiner so erlebt hat. Das reisen alleine ist für mich intensiver und eine ganz neue Erfahrung. Man ist viel offener, nimmt alles ganz anders wahr und man geht viel mehr auf Leute zu. Die englische Sprache wird besser, da man viel mehr redet als beim gemeinsamen Reisen. Ich war produktiver, nahm mir neben Sightseeing und reisen bewusst Zeit für recherchieren und arbeiten. Die Reiseroute, die Unternehmungen, das Essen, es müssen keine Kompromisse gemacht werden. Man macht das, was einem gefällt. Beim fotogarfieren kann man sich mehr Zeit lassen, da man nicht im Hinterkopf hat, dass sich der Partner wahrscheinlich schon zu Tode langweilt. 🙂

Wenn ich alleine reise fehlt mir…

Martina
Mein Reisebudy. Es ist schön, seine Wege gemeinsam zu beschreiten. Wenn man an einem wunderbaren Ort ist, kann man seine Freude teilen, mitteilen. Klar habe ich meine Zeit genossen und tolle Momente erlebt, jedoch hätte ich oft gerne jemand vertrautes neben mir gehabt, der sich genauso über den Moment freut. 

Alex
Gemeinsam das Erlebte Revue passieren lassen. Es ist schön, wenn man bei einem gemeinsam gekochten Dinner den Tag im Gedanken nochmals erlebt. So bekommt die Reise und selbst die kleinen Dinge noch mehr Bedeutung. „How are you?“ „Where do you come from?“ „What´s your next country?“ …… Eine lange Liste an oberflächlichen Fragen die man beim alleine reisen tagtäglich hört. Andere Gesprächsthemen kommen da selten auf.

Was hat das Experiment mir gebracht?

Martina
Ich bin etwas selbstbewusster geworden und habe gelernt, mehr auf die Leute zu zugehen. Entscheidungen selbst zu treffen fällt mir nun leichter und ich habe erkannt, dass man auch alleine Spass haben kann. Im Prinzip ist man ja auch nie ganz alleine. Es lässt sich immer ein Gleichgesinnter finden. Ich schätze jedoch auch wieder mehr den Wert des gemeinsamen Reisens. Ich weiß nun, welche Reisequalitäten ich habe und welche Alex hat. Ein paar Tage alleine Reisen kann eine gute Erholung zwischendurch sein, erst recht im Alltag. Doch auf mehrere Monate gesehen reise ich lieber in Gesellschaft.

Alex
Es war interessant wie die Leute auf unser Experiment „alleine reisen“ reagiert haben. Alle Reisenden denen ich das erzählt habe fanden es toll, beeindruckend. Und ich habe des Öfteren gehört „Es gibt nicht Viele die das machen würden“.

Familie und Freunde zuhause haben hingegen (verständlicherweise) eher zurückhaltend und skeptisch reagiert. Ich habe daran geglaubt, dass mir das Experiment nur Gutes bringen wird und wurde nicht enttäuscht. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt, das Englisch trainiert und man lernt sich selbst und den Reisepartner mehr zu schätzen. 

Das Experiment war eine gute Zeit für uns beide, jeder sollte einmal die Erfahrung des alleine Reisens machen. Doch nun freuen wir uns auf unser Wiedersehen und erkunden wieder vereint die Welt.

 

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