Weltreisegedanken nach 200 Tagen

Befinden: mit jedem Jahr vergeht die zeit schneller
Zeitpunkt: Halbzeit der Reise, Neuseeland
Lektion: let the good times roll

Nun, nach der doppelten Zeit, können wir bereits andere Dinge feststellen, die sich doch verändert haben. An erster Stelle wir selbst. Erst nach ein paar Monaten, wenn die Konzentration nicht mehr gänzlich für Reiseorganisation gebraucht wird, werden Entwicklungen der eigenen Persönlichkeit klarer und Ansichten gefestigter. Ich finde es interessant, selbst festzustellen, ob und wie man sich verändert. Und vor allem, durch welche Erfahrungen dies geschieht. Auch in diesem Blog habe ich für euch die markantesten Punkte der Veränderung festgehalten.

Neue Blickwinkel über Land & Leute


Die ersten paar Monate waren nicht immer leicht. Neben den positiven Erlebnissen gibt es ebenso negative. Tiere werden schlecht behandelt, Freundlichkeit ist nicht immer selbstverständlich und von Sauberkeit kann man in manchen Gegenden nur träumen. Aber warum ist das so? Wir fangen an, Dinge zu hinterfragen. Zu verstehen. Wenn man als Kind nichts Anderes vorgelebt bekommt, als den Müll einfach auf die Straße zu werfen, wie soll das Kind dann einen Mülleimer nutzen? Wenn Hunde angebunden ihrer Tage fristen müssen, wie soll die nächste Generation wissen, dass Tiere mehr wert sind? Es ist ein ewiger Kreis und es hilft rein gar nichts, wenn man Völker als verantwortungslos oder kaltherzig bezeichnet. Denn letztendlich haben diese nie etwas anderes erlebt. Es ist wichtig, selbst gutes zu tun. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Würden wir alle nur auf uns selbst achten, würde sich nichts verändern.

Lebensmittel. Wir leben im Überfluss. Andere nicht. In Kuba muss man froh sein, genügend Trinkwasser zu bekommen, in Südamerika können sich die wenigsten eine ordentliche Mahlzeit leisten. Auch beim Camping haben wir gelernt, bewusster einkaufen zugehen. Preise vergleichen und darauf achten, alle Lebensmittel auf zu brauchen. Es gibt keine größere Verschwendung, als Lebensmittel weg zuwerfen. Wenn ich da an unsere Großmärkte denke, wird mir sowieso ganz übel – aber das ist ein eigenes Thema.

Mit der Zeit lernt man den Wert so einer Reise erst kennen. Man trifft auf so viele verschiedene Völker und jedes hat seinen eigenen großen Wert. Wir sind nicht alleine, es gibt so viel mehr. Jedes Land hat Stärken. Costa Rica lehrt einem die Lebensfreude trotz niedrigem Eigentums, während die Herzlichkeit Perus überwältigend ist. Neuseeland zeigt auf, dass man vielen Menschen vertrauen kann und in Kuba trifft man sich noch zum Tanz anstatt online. Die Medien sind engstirnig und einfältig. Ginge es nach den Schlagzeilen, müssten Alex und ich bereits gekidnappt, verschwunden und in jedem Land ausgeraubt worden sein. Medien leben von negativen Storys. Dadurch werden Menschen misstrauisch und ängstlich. Soll es denn so sein? Wir haben aufgehört, die Schocker-Storys zu lesen und informieren uns über die wahren, positiven Dinge. Nur das ist der einzig richtige Weg, ohne Lügen und Hetzerei. Wir denken von vielen Ländern, sie seien noch so weit hinter uns, und wissen gar nicht, wie weit sie uns in vielen Dingen voraus sind. 

Warum will man nach Hause, wenn doch alles gut ist?


Das Heimweh. Gemeines, hinterlistiges Gefühl. Einerseits ist Heimweh sicher ganz normal. Mal mehr, mal weniger präsent. Über Weihnachten war es manchmal ganz schön schwierig. Man stellt sich vor, was die Familie so treibt, dass man gemütlich zusammensitzen könnte. Alles wäre vertraut und einfach. Aber was dann? Dann kehrt man zurück in den Alltag, ins Berufsleben, in das Rad vieler Millionen anderer Menschen. Das kann ich auch nach diesem Jahr noch. Die Reise gibt viel zu viel her, dass wir irgendwie über frühzeitige Heimreise nachdenken würden. Jetzt oder nie war unser Entschluss und so soll es auch sein. Jetzt oder nie. Und dieser Gedanken hilft enorm. Und immerhin, wir reisen bereits jetzt schon wieder der Heimat entgegen. Wir freuen uns, wenn die Heimreise bevor steht, aber bis dahin haben wir noch einiges zu erleben. 

Wo ist unser Zeitgefühl hin?


Die Wochen verfliegen, als würden sie vom Wind verweht. Über ein halbes Jahr reisen wir bereits über die Kontinente. Es ist, als wäre es erst ein paar Monate her, seit unser Flugzeug den Münchener Flughafen Richtung New York verlassen hat. Eine Langzeitreise hat zwei Seiten. In so einer langen Zeit kann man doch so einiges an Reisezielen einplanen. Im Durchschnitt haben wir für jedes Land etwa 4 Wochen Zeit. In dieser Zeit bekommt man ein sehr gutes Gefühl und einen großen Einblick ins Land. Man hat enorme Kontraste was Land & Leute betrifft und jede Menge Flexibilität. Andererseits muss man Erlebnisse auch verarbeiten und das kann schon mal etwas dauern. Gerade jetzt, wo wir einige Wochen an einem Platz sind, kommen uns die unwichtigsten Situationen in den Sinn. Zum Beispiel als wir in Costa Rica bei diesem einen Busbahnhof warteten, oder an diesem einen Strand in Kuba badeten. Man merkt, dass das Gehirn nun Zeit hat, Erinnerungen zu ordnen. Wenn man jeden Tag etwas Neues sieht, kann man sich leider oft nicht zu 100 Prozent darauf einlassen. Erlebt man das eine, hat man vielleicht schon das nächste Ziel im Kopf. Und das ist ein kleiner bitterer Nebengeschmack so einer Reise. Fotos und Blog sei dank, können wir uns immer wieder selbst an das Erlebte erinnern. 

Das Befinden im Allgemeinen

 

Generell sind wir glücklich und vor allem dankbar. Je schneller die Zeit vergeht, desto bewusster wird uns, dass wir jeden Tag nutzen müssen. Alex und ich haben uns in den letzten Monaten verändert. Natürlich muss man da wieder ein Stück weit neu zueinander finden, was nicht immer leicht ist. Denkweisen ändern sich, Eigenschaften werden stärker und schwächer. Gerade hat jeder viel Zeit für sich, was meiner Meinung nach eines der wichtigsten Dinge überhaupt ist für eine glückliche Beziehung. Freiraum. Auch auf so einer Reise kann man sich diesen verschaffen. So haben wir an manchen Tagen einfach jeder das gemacht, auf was wir, jeder für sich, Lust hatten und uns abends wieder getroffen. Abgesehen davon ist es auch mal nett, sich ab und an etwas neues erzählen zu können.

Die Verspannungen vom Rucksack schleppen werden uns zwar sicher mit nach Hause begleiten, jedoch wert ist es das auf jeden Fall. Wir haben gelernt, uns selbst zu vertrauen und auf unser Gefühl zu hören. Wir sind gespannt, was die nächsten Wochen und Monate noch bringen werden.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: