La Paz, Bolivien – Chaos, skurrile Bräuche & österreichische Gondeln

Befinden: verwundert
Fakt: La Paz hat ein Fussballfeld auf 3.800 Meter – kein Gegner will hier spielen (Luft) 🙂
Lektion: Auf Ampeln wir hier nicht geachtet, ist eine Lücke im Verkehr, lauf! 

Eindrücke, Kulturschocks & skurrile Bräuche

Wie könnte man La Paz am besten beschreiben? Die Stadt liegt mit ihren ca. 1Mio. Einwohnern eingekesselt von Bergen und der Nachbarstadt El Alto. Der Verkehr besteht hauptsächlich aus tausenden Minibussen und Taxis. Ein eigenes Auto hat hier fast niemand. Man kann für ein paar Cent das Gondelnetz nutzen, das von verschiedenen Stadtpunkten unter anderem hinauf nach El Alto führt. Nebenbei erwähnt, das Gondelnetz wurde von einer Österreichischen Firma erbaut, na klar sind wir da eine Runde mit gefahren. Die Straßen sind übersät mit Essensständen, Kleidung und Ramsch, der hauptsächlich von den Jollitas verkauft wird. Das sind die bolivianischen Frauen mit ihren hohen Hüten und den weiten Röcken. Oft tragen sie ihre Babies, oder alles mögliche an Gepäck den ganzen Tag in einem Tuch am Rücken mit sich. Oder beides? Das weiß man nicht so genau. Man wird begleitet von Hupen, Straßenhunden und verschiedenen ekligen Gerüchen. Es ist nicht einfach, hier einen Spaziergang zu unternehmen. Man muss auf den Verkehr achten, die Leute laufen chaotisch durcheinander, die Luft ist voll von Abgasen. Ab und an wird ein Plätzchen zwischen 2 Autos als Toilette benutzt, die Hände als Taschentuch. Ja, mir fiel es doch etwas schwer, Essen von den Straßenständen zu kaufen.

Auch in La Paz nahmen wir an einer Free walking Tour teil. „Red Caps tour“ heißt diese hier, da die Touren nicht mehr kostenlos sein dürfen. Aber für 3 Dollar mussten wir nicht lange überlegen. Unter anderem besuchten wir auf der Tour den Hexenmarkt von La Paz. In diesen Straßen werden alle möglichen Tränke, Pulver und skurrilen Zaubermittelchen verkauft. Was noch auffällt, sind die unzähligen getrockneten Lamaföten, die überall auf, vor und in den Geschäften hängen. Teilweise geschmückt und aufgebahrt, mit Räucherstäbchen dekoriert. Warum? Nun ja, das hat seine Gründe. Auch die Bolivianer glauben an Pachamáma – Mutter Erde. Immer wenn ein neues Haus gebaut wird, wird etwas an Pachamáma geopfert bzw. zurück gegeben. Und das sind diese Lamas. Sie werden unter dem Haus begraben, oder sogar manchmal aufgehängt. Aber keine Sorge, die Tiere werden dafür nicht getötet. Es werden nur jene geopfert, die entweder tot geboren oder in einem Schlachttier gefunden werden. Ein sehr skurriler Brauch, hat jedoch keine bösen Hintergründe.  

Interessante? Unnütze? Lustige? FAKTEN!

Evo Moralis ist aktueller Präsident, der erste der indigenen Bevölkerung. Doch vor Evo gab es reichlich Skandale. In den letzten 190 Jahren hatte La Paz über 200 Präsidenten! Ja. Entweder gaben diese ihr Amt nach kurzer Zeit wieder ab, kürzeste Amtszeit war ein Tag. Oder sie wurden abgedankt, erhängt oder hauten mit gestohlenem Geld ab ins Ausland. Eine skurrile Geschichte erzählte uns unser Guide bei der Tour, als wir gemütlich vorm Parlament saßen. Ein Präsident der vergangenen Jahre liebte es zu feiern. Des öfteren feierte er Orgien im Parlament und der Alkohol floss in Strömen. An einem dieser Tage besuchte ihn der Präsident von Chile und als Geschenk bekam er ein weißes Pferd. In seinem Delirium wollte auch der höchste Boliviens etwas zurück schenken. So nahm er kurzerhand einen Huf des Pferdes und stellte ihn wahllos auf die bolivianische Landkarte. Genau den Bereich des Hufes sollte Chile bekommen. Somit gehört nun die Atacamawüste zu Chile und Bolivien hat seinen einstigen Anschluss zum Meer verloren. Na vielen Dank!

Weiters spazierten wir durch einen mega Gemüse- und Obstmarkt. Viele Straßen lang kann man alles kaufen, was man sich nur wünscht. Früher war dieser Markt in einer Halle, doch es wurden immer mehr Verkäufer und so findet dieser Markt nun nur noch auf den Straßen La Paz´statt. Auch Stierpenisse werden hier angeboten. Penissuppe ist neben Cuy (Meerschweinchen) eine Delikatesse hier. Danke, wir nehmen dann doch lieber eine Banane.

Auch hier sind die Jollitas präsent und sortieren ihre Waren. Wusstet ihr, dass es in La Paz Jollita Wrestling gibt? Zu schade, dass wir es zu keinem Kampf schafften. Muss lustig aussehen mit Hut und Rock. Diese Jollitas sind zu dem sehr gut gebaut. Kräftige Waden und ordentliche Hüften muss sie haben, damit ein Mann sich interessiert. Denn das heißt, dass sie vorne einen Schwangerschaftsbauch, hinten Gepäck, links ein Sack voll Früchte und rechts ein Sack voll Gemüse tragen kann. Und natürlich damit schnell hoch hinauf auf den Berg. Na das sind ja mal Voraussetzungen. Wenn ein Mann dann seine Jollita gefunden hat, schmeißt er ihr kleine Steinchen hinterher auf den Boden. Solange bis er ihre Aufmerksamkeit bekommt. 

Mit der Gondel fuhren wir über zahlreiche Friedhöfe hinweg. Mitten in der Stadt reihen sich gemauerte Gräber aneinander. Die Gräber liegen auch übereinander, bestehen aus einem Betonschacht, wo die Särge hinein geschoben werden. Schiebeleitern stehen bereit, um hinauf zum Grab klettern zu können. Eine Mitfahrerin erzählte uns, dass es viele illegale Friedhöfe gibt. Da für viele Leute der Weg zu weit oder die legalen Friedhöfe zu teuer sind.

Andere Länder, andere Sitten, nicht wahr?
Dies waren nun ein paar der äußerst skurrilen Fakten über La Paz.
Wir sind geschockt und amüsiert zu gleich. Irgendwie ist die Stadt doch wirklich einen Besuch wert und sei es nur um zu staunen. Wir haben unseren Aufenthalt doch genießen können.

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