Lima, Peru – 9,5 Millionen Menschen und wir…

Befinden: schockiert und doch begeistert
Einwohner Lima: ca. 9,5 Millionen – Österreich: weniger!
Lektion: Schenke Vorurteilen nicht zu viel Präsenz, überzeuge dich selbst! 

Virginia & Romina – peruanische Herzlichkeit und eine neue Freundin für´s Leben

Nach einem ruhigen Flug von Panama nach Lima standen wir am Flughafen und warteten auf Virginia. Bei ihr würden wir für 3 Nächte über air bnb wohnen. Wir waren ihre ersten Gäste und sehr gespannt. Nach einer Weile warten entdeckte sie Alex, ein Plakat über den Kopf haltend, auf dem unsere Namen standen. Wir waren erleichtert, dass wir den ersten Weg nicht alleine zu ihrem Haus finden mussten, denn es war bereits dunkel und Taxi fahren in Lima ist zwar billig, jedoch nicht unbedingt das sicherste Transportmittel.

Virginia begrüßte uns mit einer herzlichen Umarmung und vergewisserte sich, ob bei uns alles gut sei. Wir verließen gemeinsam den Flughafen und nahmen ein Taxi, das Virginia sicher erschien. Sie erkundigte sich nach Plakette und Nummerntafel, dies sind hier gute Wege ein offizielles Taxi zu finden. Nach einer turbulenten Fahrt durch die Stadt (In Lima scheint das Tempolimit nur ein Richtwert zu sein) kamen wir gut in Jesus Maria an. Einer der sicheren Stadtteile Lima´s. Das Gebäude in dem wir wohnten wurde von zwei Security Männern bewacht. Gleich oben angekommen in der Wohnung, bot uns Virginia eine heiße Dusche und einen Obstshake an. Sie war immer sehr bemüht, sogar neue Handtücher, Zahnpaste und Seife lagen für uns bereit. Man spürte, wie sehr sie sich freute, unsere Gastgeberin zu sein. Ihre Mutter, Romina, wohnte zwar ein Stück weiter weg, wollte jedoch unbedingt für uns kochen und kam extra 2 mal in Virginia´s Wohnung, um für uns Mahlzeiten zu zubereiten. Sehr interessiert waren beide an unserer Kultur und den Ländern, die wir bereits bereisten. Wir unterhielten uns bei Kaffee und Kuchen über Gott und die Welt und lachten viel. Diese beiden waren unglaublich respektvoll und herzlich. Anders als man es von Österreich kennt. Virginia begleitete uns zur Bank, zum Strand und half uns bei den Taxis. Jederzeit kümmerte sie sich darum, dass es uns an nichts fehlte und wir hatten immer etwas zu lachen. Sogar am letzten Tag begleitete uns ein Freund zum Busbahnhof um uns zu verabschieden. Auch einen Ausflug machten wir gemeinsam und hatten einen wunderbaren Tag. Alex und ich sind sehr dankbar für die tolle Zeit und vor allem fühlten wir uns sehr wohl. Mit Virginia und Romina haben wir 2 wunderbare neue Freunde gefunden.

Mira Flores, die morderne Seite Lima´s & ein ganz normaler Wochenmarkt

Am Morgen besuchten wir einen Lebensmittelmarkt ein paar Ecken von Virginia´s Wohnung entfernt. Ein Markt, ähnlich wie der Naschmarkt, was die engen Gänge betrifft, nur viel viel größer. Ein Labyrinth aus Obst- und Gemüseständen, hängendem Fleisch und Haushaltsgegenständen. Die Preise unglaublich niedrig. Wir kauften frisches Obst und Gemüse für die Sandwiches, die wir an den Strand mitnehmen wollten. Etwas mulmig wurde uns dann doch, als wir an all dem Fleisch vorbei kamen. Ganze Hühner an einem Haken hängend, Fleischstücke in allen Varianten und Größen. Geruch von rohem Fleisch lag in der Luft. Hinter den Ständen wurde auf offener Flamme in großen Wok´s gebraten, gekocht und zubereitet. Aus Jutesäcken konnte man Reis, Mais und Getreide kaufen. Schon interessant, das bunte Treiben auf so einem Markt zu beobachten. Und ich denke, hier bekommt man so gut wie alles.

Nachdem wir zu Hause unsere Sandwiches fertig hatten, machten wir uns mit dem Bus (25 Cent für ca. 50 Minuten Fahrt) auf den Weg nach Mira Flores. Der Bus füllte sich mit jeder Station noch ein wenig mehr. Zum Aussteigen darf man keine Scheu vor Körperkontakt haben. Mira Flores ist das sogenannte „moderne“ Viertel Lima´s. Hochhäuser bis zu den Klippen, wunderbar grüne Parkflächen, Paraglider, Surfer und der weite Horizont. Ein wunderbares Bild mit vielen Kontrasten. Wir verbrachten einige Stunden dort. Spazierten zum Leuchtturm an den Klippen, schauten den Paraglidern zu und genossen das Meer und die Ruhe am Rande der Stadt. Viele Brautpaare tummelten sich im Park, posierten für die besten Hochzeitsfotos. Es schien Hochzeitssamstag zu sein :). Über eine lange Treppe schlenderten wir bis ganz runter zum Strand, das Meer zieht uns immer wieder an. Einen Horizont zu genießen ist gold wert. Auf einer gemütlichen Holzbank am Pier beobachteten Alex und ich eine Weile die Surfer, wie sie durch die rauen Wellen paddelten um weiter hinaus zu kommen und auf die richtige Welle zu warten. Mira Flores ist ein guter Ort, um dem Chaos und der etwas düsteren Stadt zu entkommen. In der Innenstadt gibt es nicht so viele schöne Plätze. Das Wetter ist grau in grau und der Verkehr ist chaotisch. Die Häuser sind zum Teil komplett vergittert, durch manche Stadtteile sollte man selbst am Tag nicht spazieren. Es gibt einige Parks und Malls, Straßenstände und viele viele streunende Katzen. Wir fanden leider nichts, was uns in Lima besonders ansprach. Darum hielten wir uns eher ausserhalb auf.

Die Ruinen von Pachácamac & das Brotfest mit Juan Panadero

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An unserem letzten Tag machten wir uns früh morgens auf den Weg nach Pachácamac. Dort befindet sich eine archäologische Fundstätte etwa eine Stunde mit dem Bus ausserhalb der Stadt. Auf der Fahrt dort hin kamen wir durch die Slums am Stadtrand. Unfertige Häuser, Staub und Müll sind hier auffallend. Manche Leute leben in Holzverschlägen, Sonnenschirme dienen als Dach. Es gibt viele Hunde, ab und an sieht man einen verwest auf der Strasse liegen. Man sieht nicht viele Menschen auf den Strassen. Alles hier ist grau in grau, man wird sehr traurig wenn man diese Regionen passiert. Wie können die Menschen hier leben? Es gibt teilweise nicht einmal irgendwelche Stände mit Lebensmittel. Kein Strom, kein Wasser. An diesem Tag waren wir wieder einmal sehr sehr dankbar für alles, was wir haben. Nach einer Stunde kamen wir bei unserer Station an. Für ein 2-3 Euros Eintritt kann man sich zu Fuss, mit dem Fahrrad oder auch mit Auto und Bus die Ruinenstadt anschauen. Einer der ersten Ausgräber war der deutsche Max Uhle. Die Ruinen wurden von der Wari Kultur erbaut, nicht von den Inkas. Diese nutzten lediglich die Ruinen nach den Waris, als diese bereits verfallen waren. Gut 3 Stunden schlenderten wir durch die Ruinen Stadt. Ein interessanter Anblick wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln man Häuser in der Zeit 200-600 n.Chr. erbaute. Ist doch schon eine Weile her. Und die Wände zum Teil komplett gerade und immer noch sehr stabil. Es gab eine Pyradmide, verschiedene Tempel und einen Friedhof. Die Ausgrabungen sind immer noch im vollen Gange, wer weiß, als wie groß sich diese Ruinenstadt noch erweisen wird.

Nach ein paar weiteren schrägen Busfahrten kamen wir im Zentrum Pachácamac an. Am Hauptplatz fand das alljährliche „festival de pan y queso“ statt. Ein Brot- und Käsefest. Viele kleine Stände reihten sich aneinander, es gab von Brot über Käse bis Kaffee und Süssigkeiten alles zu kaufen. Souvenirstände durften ebenfalls nicht fehlen. Wir besuchten einen Freund von Virginia, Juan Panadero, wie er sich stolz nennt. Er ist ein Weltenbummler durch und durch. Er reist von Land zu Land und verkauft sein Brot. Sogar in Österreich war er bereits. Und wir können bestätigen, sein Brot ist Weltklasse! Es gibt alle Variationen, vom normalen Weißbrot über gefülltes Brot mit Tomaten und Käse bis hin zu meinem Lieblingsbrot, gefüllt mit Schokolade :). Er gab uns von allem eine Kostprobe, es war so lecker. Juan gewann sogar an diesem Tag den Brotwettbewerb. Wir spazierten eine Weile über den Platz, amüsierten uns und genossen den Moment.

Wir freuten uns zwar am Ende, dass es wieder raus aus der Stadt ging. Dennoch ist Lima nicht so furchteinflössend, wie man es sich vielleicht vorstellt. Natürlich muss man hier vielleicht besser auf seine Sachen aufpassen und generell achtsamer sein. Trotzdem ist es nicht so, das die Kriminalität in jeder Ecke auf einen wartet. Mit gesundem Hausverstand ist man auf einem guten Weg und die Peruaner sind sehr hilfsbereit und freundlich. Lima war eine gute Erfahrung für uns, wir waren anfangs viel skeptischer, als es notwendig gewesen wäre. Man sollte den Medien nicht zu viel Glauben schenken. Sie machen einen ängstlich und misstrauisch. Und mit zu viel Angst kann man vieles versäumen. Man kann doch einiges erleben. Und das taten wir auch.

One Comment on “Lima, Peru – 9,5 Millionen Menschen und wir…

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