Weltreisegedanken nach 100 Tagen

Befinden: motiviert für neue Herausforderungen
Zeitpunkt: Letzter Tag unserer Costa Rica Reise und 100ster Reisetag
Lektion: Lektionen sind Erkenntnisse neuer Wege 

Eine Weltreise ist kein all inclusive Urlaub mit Cocktail am Pool und Handtuch-Schwan am Bett. Es gibt auch Herausforderungen, die man in Kauf nehmen muss. Eine liebe Freundin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich doch auch mal über die schwierigen oder negativen Seiten schreiben soll. Über die Dinge, mit denen wir zu kämpfen haben. Sie hat Recht. (Danke Anna :)). Auch die unschönen Aspekte gehören genauso zu einer Langzeitreise, wie die schönen.

Hiermit möchte ich euch ein paar Dinge erzählen, die uns, neben dem Erfüllen unseres Traumes, an Grenzen stoßen und Dinge schätzen lernen lassen. Und wie es uns eigentlich damit geht.

Grenzen kennen lernen

Ja die lieben Grenzen. Reisen wir nicht, um sie zu erkennen? Zu überwinden? Aus dem Weg zu räumen? Ja darin besteht ein großer Teil der Reise. Nur manchmal scheint es vielleicht leichter gesagt als getan. In manchen Situationen, die überfordernd und unveränderlich sind. Situationen in denen man lernen muss zu akzeptieren. Dinge hin zu nehmen. Seien es verwahrloste Tiere auf den Straßen in den verschiedenen Ländern, um jene sich keiner kümmert. Sei es eine Art von Mensch, ignorant und kalt. Müll, der einfach auf den Boden geschmissen wird und keinen interessiert´s. Kinder, die im Dreck spielen müssen. Das Sprichwort „andere Länder, andere Sitten“ hat es wohl in sich. Jeden Tag lernen wir neue Gepflogenheiten kennen und manchmal fällt es uns sehr schwer, diese zu verstehen oder gar zu akzeptieren. Jedes Land hat seine Schattenseiten, aber genau diese helfen uns auch über uns hinaus zu wachsen. Dinge von einer anderen Seite zu betrachten, vieles im eigenen Umfeld zu schätzen. Jeden Tag sind wir mit unseren Grenzen konfrontiert und müssen entscheiden ob wir daran stoßen oder sie überwinden. Manchmal geht es uns damit nicht sehr gut, aber im Nachhinein hat man immer etwas gelernt.

Hygiene

Ein Thema, das speziell für mich nicht ganz einfach ist. Viele Schlafplätze bis jetzt waren tadellos sauber und gemütlich. In den States gab es eigentlich kein Problem bis auf ein paar miefige alte Zimmer. Gerade in Kuba ging es dann los mit sehr niedrigen Standards. Zum Beispiel Toiletten ohne Spülung, ohne Papier und manchmal sogar ohne Tür. Stinkig und schmutzig. Oder manche Zimmer in Costa Rica. Kakerlaken am Bett, Hundertfüssler in der Dusche, man weiss nie so recht, ob man Gesellschaft von irgendwelchen Insekten hat. Durch das feuchte Klima gab es oft Schimmel in den Zimmern, die Wäsche fängt an zu müffeln, trocknet nicht richtig. Oft müssen wir unsere Wäsche per Hand waschen, da es manchmal gar keinen Wäscheservice gibt und auch viele Haushalte (speziell Kuba) keine Waschmaschinen besitzen. Man fühlt sich nach der Dusche (die manchmal fast keinen Wasserdruck haben) nicht sehr lange frisch, da sich die Feuchtigkeit überall hin verteilt. Alex kann sich etwas besser anpassen und sieht manchmal einfach weg. Während ich hier und da schon etwas zu kämpfen habe. Nichts desto trotz ist auch dieses Thema für etwas gut. Gerade schreibe ich diesen Blog auf meinem Bett in einem Hostel in Alajuela, es ist blitzblank sauber, es gibt eine ordentliche Dusche, zwar kalt, aber man braucht keine 5 Minuten damit endlich alle Haare nass sind. Und unsere Wäsche wird in diesem Moment gewaschen. Das schätzen und geniessen wir gerade sehr. Unglaublich, wie solche Dinge plötzlich an Wert gewinnen und zu Luxus werden. 

Heimweh

Es wäre gelogen, wenn wir behaupten würden, dass wir nie Heimweh haben. Gerade in Situationen, in denen man sich nicht wohl fühlt oder an eine Grenze stößt, denkt man darüber nach, wie es jetzt wohl zu Hause wäre. Bei der Familie, bei den Freunden. Einfach und sicher. Zu Hause ist der geborgenste Ort eines Menschen. Ich wünsche es zumindest jedem. Erst vor ein paar Tagen, als Max nach Hause flog überkam es uns. Ein seltsames Gefühl, als er aufbrach um nach Hause zu kehren und wir, um ins nächste Land zu reisen. Da wäre so eine kurze Pause zu Hause doch verlockend. Nur mal kurz die Liebsten drücken. Wenn man sich manchmal doch rüber beamen könnte. Es kommt auch darauf an, wie man reist. Wenn wir schneller reisen, und mehr unternehmen, haben wir natürlich nicht so viel Zeit zum Nachdenken. Weihnachten wird sicher auch etwas traurig werden für uns. Oder wenn jemand Geburtstag hat. Oder die kleinen Neffen und Nichten, die vermisst man auch richtig. Gerade weil sich diese in so einem Jahr doch ganz schön verändern. Wir sind froh, dass wir uns gegenseitig stützen können. Zu zweit ist doch alles leichter. Neue Erlebnisse erinnern uns immer wieder daran, wie großartig unser Unterfangen doch ist und das es das auf jeden Fall Wert ist. Schiffe sind doch auch nicht gebaut worden, um im Hafen zu bleiben. Und vor allem lernen wir so, unsere eigenen Wege zu gehen, da wir nicht immer Rat einholen oder uns nach jemanden richtigen können.

Planung & Organisation

Klar lassen wir uns bis zu einem gewissen Grad treiben, haben nichts ausser die Flüge gebucht. Trotzdem bleibt vieles, was organisiert oder geklärt werden muss. Wie kommen wir zum nächsten Ziel? Wo fährt der Bus? Gibt es überhaupt einen? Wo wollen wir hin? Was wollen wir tun? Wo können wir schlafen? Wir möchten so viel wie möglich aus unseren Routen und Budgets heraus holen und so wenig wie möglich verpassen. Auch die Weiterreise muss geplant werden. Ohne Plan und Überblick würden wir uns z.B. nicht unbedingt auf Lima´s Straßen rum treiben. Manchmal kann die Reiseplanung schon etwas nerven, wenn wir anstatt die Umgebung zu erkunden, vorm Bildschirm hocken und recherchieren. Jedoch haben wir unsere Aufgaben ganz gut aufgeteilt. Jeder hat die Bereiche, die er auch gerne übernimmt. So hat Alex den Überblick über die Finanzen und das Budget und ich kümmere mich um Unterkünfte, Kontakte mit Hosts etc. Alex übernimmt die Routenplanung, ich checke die Transportmittel ab. Wir sind bereits ein gutes Team. Und Spass macht es doch natürlich auch. Immerhin können wir jeden Tag auf´s Neue entscheiden, wo uns der Weg hin führen soll.

Rund um die Uhr zusammen sein

Über dieses Thema machten wir uns bereits zu Hause viele viele Gedanken. Wird uns diese Reise zusammen schweißen? Was, wenn wir nicht klar kommen ohne Abstand? Haben wir die gleichen Ziele? Fragen über Fragen. Bevor wir uns verrückt machten beschlossen wir, es einfach zu tun. Wenn wir es nicht schaffen sollten, hat es wohl nicht sollen sein und falls doch, kann uns nichts mehr so leicht auseinander bringen. Aller Anfang ist schwer. So hatten wir zu Beginn einige Konflikte. Das ist aber, glaube ich, normal. Wer hockt schon 24 Stunden die ganze Woche aufeinander und hat jeden Tag gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Darüber hinaus mussten wir uns erst mal aneinander anpassen. Auch lernen wir einige neue Seiten voneinander kennen und das nach 9 Jahren! Man befasst sich viel intensiver mit dem Partner und kann auch nicht einfach mal auf Abstand gehen wenns ernst wird. Es ist eine große Herausforderung, die Reise gemeinsam zu erleben und gleichzeitig eine große Stütze bei vielen Dingen. Wir lernen immer besser miteinander umzugehen und uns gegenseitig nach vorne zu bringen. Ich kann mit meinen Sprachkenntnissen und der offenen Art gegenüber Menschen punkten, während Alex die großartige Fähigkeit besitzt, Dinge von einer neuen Seite zu sehen und sehr bewusst zu leben. Wir helfen uns gegenseitig zu uns selbst zu finden. Und ich bin froh mit Alex zu reisen. Ohne ihn wäre es nicht halb so toll. Auch wenn es manchmal Streitpunkte gibt, gehören diese doch auch irgendwie dazu.

Von A nach B kommen

Das kann Nerven kosten. Und Rückenschmerzen. Ganze Tage verbrachten wir bereits in Bus, Taxi und verschiedenen Flugzeugen. Meistens den Backpack am Rücken. Teils Temperaturen weit über der 30er Marke, Regen, Wind oder dunkle Nacht. Stundenlang warten auf einen freien Bus, zu Fuss umherirren und verlaufen haben wir uns auch einige Male. Oft müssen wir wechseln, von Taxi zu Bus, aussteigen, umsteigen, den nächsten erwischen. Da bleibt nicht immer die Zeit um etwas zu essen oder auf die Toilette zu gehen. Die Busse sind ab und an überfüllt oder nehmen einen erst gar nicht mit. Auch auf Flughäfen haben wir schon Nächte verbracht. Schlafen ist unmöglich und mit der Müdigkeit wird einem kalt und ungemütlich. Klar ist das spannend und im Nachhinein witzig zu erzählen, doch im Moment auch sehr erschöpfend und manchmal frustrierend. Wenn man bereits stundenlang unterwegs ist und nicht weiss, wann man ankommt, dafür braucht man schon viel Geduld. Die hat man mir ja nicht in die Wiege gelegt. Warum eigentlich? Alex hatte die schon dabei. Hier ist es auch wieder super, wenn man einen Reisebuddy hat. Alleine wäre es doch wirklich oft langweilig und einsam.

Tja, das waren nun die größten Herausforderungen, mit denen wir uns immer wieder auseinander setzen müssen. Auch wenn wir manchmal zweifeln, wütend sind oder einfach mal ankommen wollen. So sind diese Dinge wichtige Lektionen für unser Leben. Von jedem Hindernis kann man etwas lernen. Und jeder Weg ist ein eigenes Abenteuer.

Wir machen diese Weltreise nicht, um gemütlich um die Welt zu jetten. Wir machen diese Reise weil wir etwas erleben wollen. Etwas erzählen wollen. Und am wichtigsten, etwas schaffen und lernen wollen. Für uns selbst. Und wir sind am besten Weg dort hin!

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