Casita Azul SPECIAL – Zu Besuch bei Angi & Andi

Befinden: beeindruckt vom kontrastreichen Lebensstil
Lieblings selfmades: Fruchtshake, Bananenschmarren und Yucaleibchen
Lektion: Gehe bewusst zum Einkauf, mache viel mehr selbst.

Angi (aus Frankenburg) und Andi (aus Vöcklamarkt) sind gemeinsam vor einigen Jahren nach Costa Rica ausgewandert um ihr eigenes selbständiges Leben zu führen. Auf ihrem Selbstversorgerhof gibt es 20 Hühner, 2 Kühe, 7 Enten, 2 Hunde, 5 Katzen und viele bunte Vögel und andere Dschungeltiere. Neben Bananen und Maracuja wachsen Orangen, Mandarinen, Maulbeeren, Ananas, Papaya, Guanábana (Stachelanone) und Zitrusfrüchte in allen Variationen auf ihren Obstbäumen. Jeden Tag gibt es leckere Fruchtshakes oder auch mal Bananenschmarren.

An Gemüsearten sind Yuca, Mais, Bohnen, diverse Knollenfrüchte, Spinat, Chili, Süsskartoffeln und je nach Jahreszeit Tomaten, Gurken, Radieschen, Sellerie, Karotten oder Kürbis vorrätig. Eier und Milch gibt´s das ganze Jahr.

Der Kräutergarten beinhaltet neben den klassischen Kräutern wie Oregano und Basilikum auch noch Zitronengras, Aloe Vera, Kurkuma, Schnittknoblauch, Kapuziner- und Senfkrässe, Ruccula, Petersilie und viele weitere schmackhafte Pflanzen.

Selbst erzeugt wird so einiges wie z.B. verschiedene Brotsorten, Käse, Joghurt, Essig, Säfte, Butter, Topfen, Kaffee, Marmelade, Honig und so einiges mehr. Es wird viel experimentiert und probiert. Immer wieder variieren die Ernten und Anbauarten.

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Interview mit Casita Azul

In gemütlicher Runde interviewten wir Casita Azul und lauschten gespannt Angi´s und Andi´s Geschichte.

Raus in die Welt: Angi und Andi, ihr seit schon viel gereist, wart über längere Zeit in verschiedensten Ländern unterwegs. Warum seit ihr 2011 ausgewandert?
Casita Azul, Angi: Der Hauptgrund für mich war der Winter (lacht). Ein generell größerer Grund für uns beide war, dass wir uns immer schon einmal selbst versorgen wollten und das ist in Österreich nicht so einfach. Man braucht viel mehr Anbaufläche um über den Winter zu kommen bzw. um die Tiere über den Winter zu bringen und Flächen in Österreich sind wesentlich teurer als hier. 

Raus in die Welt: Warum habt ihr euch für Costa Rica entschieden?
Casita Azul, Andi: Ich war bereits in der Vergangenheit einige Male in Costa Rica, fühlte mich immer wieder wie zu Hause angekommen und freute mich jedes Mal in das schöne grüne Land zurück zu kehren. Vor ca. 9 Jahren kamen Angi und ich das erste Mal gemeinsam hier her.
Casita Azul, Angi: Es gibt keinen Winter. Costa Rica ist ein relativ einfaches Land zum Auswandern. Es ist sehr sicher, es gibt zu 100% erneuerbare Energien (z.B. Geothermik, Windkraft) und die Flora und Fauna gestalten den Großteil des Landes. 

Raus in die Welt: Wie ist es euch in der ersten Zeit beim Aufbau eures Hofes ergangen?
Casita Azul, Andi: Sehr gut. Die Leute aus dem Dorf und die Nachbarn waren alle sehr hilfsbereit und offen. Sie haben sich gefreut über unser Vorhaben. Costa Rica ist eigentlich ein etwas bürokratisches Land, jedoch wurden uns nie Steine in den Weg gelegt, auch mit dem Hausbau, Baugenehmigung etc. hat alles gut geklappt.
Casita Azul, Angi: Es hat alles besser funktioniert als wir uns gedacht haben. Die Nachbarn haben uns sogar einige Hühner geschenkt, oder Macheten (die sind hier im Alltag unverzichtbar).

Raus in die Welt: Wie lange hat es gedauert, bis alles am Laufen war?
Casita Azul, Angi: Alles kam nach und nach. Zuerst der Hausbau, zwischendurch sind immer wieder Hühner dazu gekommen, nach einem Jahr kauften wir unsere erste Kuh. Nachdem diese das erste Kalb zur Welt brachte konnte wir auch Milch gewinnen. Das braucht alles seine Zeit. Es wurde immer mehr, auch heute kommen immer wieder neue Lebensmittel, Tiere oder Aufgaben dazu, man lernt, wie man gewisse Dinge effizienter erarbeiten kann. Auch haben wir zu Anfang einige Obstbäume gepflanzt, die heute noch garnicht tragen.
Casita Azul, Andi: Der Gemüseanbau ist ein großer Zeitaufwand. Man arbeitet immer wieder daran, den Anbau zu optimieren und die Ernten zu erhöhen. Ein kleines Gewächshäuschen möchten wir uns als nächstes aufbauen. Man lernt nie aus.

Raus in die Welt: Wie sieht ein normaler Tagesablauf aus, wenn man so viele Tiere und Anbauflächen zu pflegen hat?
Casita Azul, Angi: Am Morgen um 7:00Uhr werden als erstes die Kühe gemolken, Andi kümmert sich um die Milch, schöpft Rahm und füllt die Milch ab. Die Milch wird später zu Käse oder Joghurt verarbeitet. Wir kümmern uns um die Hühner, lassen sie aus dem Stall, füttern Hunde und Katzen, kümmern uns um den Haushalt. Bevor wir dann unsere Obst- und Gemüsegärten pflegen gibt es einen leckeren Fruchtshake aus verschiedenen Obstsorten wie Bananen, Maracuja usw. Dann wird ausgiebig gefrühstückt. Zeitaufwendige Arbeiten wie Weiden pflegen, Lebensmittel ernten, Unkraut jäten, mähen, Regenrillen graben, Bäume schneiden usw. werden meistens am Nachmittag erledigt. Es gibt immer etwas zu tun. Am frühen Abend werden wieder alle Tiere versorgt, die Hühner in den Stall gebracht und dann wird das Abendessen geerntet, gekocht und gemütlich auf der Terrasse gegessen.

Raus in die Welt: Ihr lebt unabhängig soweit es euch möglich ist, trotzdem kosten Auto oder Strom Geld. Wie finanziert ihr euch?
Casita Azul, Angi: Durch das Vermieten des Casita Azul und manchmal auch durch die Organisation von Reisen für Rollstuhlfahrer. Wir organisieren Ausflüge und Übernachtungen, sind längere Zeit mit den Gruppen unterwegs und begleiten sie. Aber unsere Haupteinnahmequelle ist die Casita.

Raus in die Welt: Welcher Gedanke steckt hinter dem Vermieten ohne Fixpreis?
Casita Azul, Andi: Unsere Besucher übernachten üblicher Weise im Casita Azul und essen auch bei uns mit. Damit das Finanzielle nicht im Vordergrund steht, sollte jeder geben was ihm der Aufenthalt wert ist bzw. was er geben kann. Manche Leute haben niedrigere finanzielle Mittel als andere, aber auch für diese soll ein Besuch bei uns erschwinglich sein. Weiters hat Geld für jeden einen anderen Wert. Um zu essen muss vorher gegraben, angesät, gepflegt und geerntet werden. Man sollte sich den Wert bewusst machen und überlegen, wieviel Arbeit hinter vielem steckt. Oft wird auch fleissig mit geholfen und mitgearbeitet auf unseren Weiden. 

Raus in die Welt: Ihr steht nun als Lesertip im Reiseführer „Reise know how Costa Rica“. Wie kam es dazu?
Casita Azul, Angi: Das war eine ganz lustige Geschichte. Bekannte von uns waren einige Zeit hier und hatten eine sehr gute Zeit. Ohne unser Wissen haben die zwei ein Mail an „Reise know how“ geschickt mit dem Inhalt, der Reiseführer sei schon toll, jedoch fehlt ihnen eine wichtige Unterkunft – Casita Azul. In einem Mail erzählten sie uns davon, jedoch kam einige Zeit nichts zurück und wir nahmen es auch nicht so ernst da es ein mail von vielen sein konnte. Eines Tages schaute eine der beiden in einem Buchladen nach und siehe da, da standen wir als Lesertip im Reiseführer. Anfangs neben der Freude auch ein etwas seltsames Gefühl, da wir nicht wussten, wie sich dies äussern wird. Doch aufgrund der Tatsache, dass wir sehr versteckt wohnen, müssen uns die meisten vorher kontaktieren und wir können die Besuche gut einplanen. 

Raus in die Welt: Ihr seit schon viel gereist. Wie ist es, nun selbst Reisende im Casita Azul aufzunehmen? Kommt manchmal das Fernweh zurück?
Casita Azul, Angi: In Österreich war das Fernweh viel mehr, hier seltsamer Weise nicht so, trotz dem wir jetzt so häuslich geworden sind. Natürlich schwelgt man in Erinnerungen, das tut man doch gern.
Casita Azul, Andi: Gerade wenn man sich über Länder unterhält, wie mit euch z.B. über Peru und Bolivien kommen schon viele Erinnerungen an die vergangenen Reisen hoch und es gibt natürlich Länder, die noch sehr interessant wären. Jedoch auch bei mir war das Verlangen nach Reisen in Österreich viel größer.

Raus in die Welt: Gibt es Dinge, die ihr an Österreich vermisst?
Casita Azul: Der Attersee (alle lachen). Und natürlich Familie und Freunde. Das ist ganz klar, das wir unsere Liebsten schon oft vermissen. Ansonsten geht uns hier nichts ab, wir fühlen uns zu Hause und uns geht es sehr gut.

Raus in die Welt: Lebt ihr so, wir ihr es euch vorgestellt habt?
Casita Azul, Angi: Im Großen und Ganzen Ja. Ich hab mir alles vielleicht ein bisschen weniger aufwändig vorgestellt. Es gibt doch immer viel zu tun. Jedoch denke ich, braucht man das auch, eine Aufgabe um nicht träge zu werden. Und uns besuchen auch immer wieder nette Leute, die mit anpacken und uns ein wenig unterstützen.
Casita Azul, Andi: Es passt gut, wir können uns alles selbst einteilen und sind unsere eigenen Chefs. Das war das wichtigste für uns. Klar gibt es Zeiten, wo ich auch nichts gegen weniger Arbeit hätte, aber das gehört dazu.

Raus in die Welt: Was macht eine Reise mit einem?
Casita Azul, Angi: Vieles. Man lernt andere Dinge zu schätzen, wenn man sieht wie Menschen mit ganz wenig so viel glücklicher und dankbarer sind als manch anderer. Das man nicht mehr braucht, als man im Rucksack mit sich trägt. Mit jeder Reise wurde das Fernweh nach dem zu Hause ankommen größer, wie auch die Gier nach Freiheit.
Casita Azul, Andi: Vieles. 1997 war meine erste Überseereise nach Costa Rica. Es waren zwar nur 3 Wochen, jedoch beschloss ich zu dieser Zeit, das ich viel mehr reisen will. Es ist wie eine Sucht. Die Tatsache, dass man mit so wenig so zufrieden und frei sein kann verändert einen ungemein. Es gibt so viele verschiedene Lebensweisen, von denen man sich vieles mitnehmen kann, so kam es auch, das wir beide immer mehr das Verlangen hatten in einem anderen Land zu leben.

Raus in die Welt: Was würdet ihr Reisenden mit auf den Weg geben?
Casita Azul, Angi (grinst): Schaut euch so viel von der Welt an wie ihr könnt.
Casita Azul, Andi (lacht): Für mich war immer wichtig, mich treiben zu lassen ohne vorgebuchte Unterkünfte und Routenplan im Notizblock. So fand ich die schönsten Plätze und sammelte die besten Erinnerungen. Man sollte auf sein Gefühl hören und entdecken.

Vielen Dank an Angi und Andi für das interessante und lustige Interview und die schöne Zeit! Wir konnten doch so einiges lernen und schätzen gewissen Dinge nun viel mehr. Wir wünschen euch auf eurem Weg alles Gute und viel Erfolg! Vielleicht kommen wir eines Tages hierher zurück.

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