Casita Azul, Costa Rica – Ein Plätzchen im Wunderland

Befinden: überwältigt von all der üppigen Natur und der lebendigen Tierwelt
Alltagsgegenstände Nr. 1 und 2: Machete und Gummistiefel
Lektion: Gummistiefel kaufen vorm nächsten Dschungelbesuch! 

Erste Schritte in eine fremde Welt

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Von Kuba über Panama mit dem Flugzeug nach Liberia in Costa Rica, weiter mit dem Bus und das letzte Stück zu Fuss reisten wir einen ganzen Tag, bis wir erschöpft und doch neugierig in Las Flores ankamen. Im kleinen Dorf begrüßten uns freundlich die Einwohner und fragten uns, ob wir denn Angi und Andi besuchen wollen, zeigten uns den richtigen Weg und wünschten uns eine schöne Zeit. Backpacker kommen hier wohl eher selten durch.

Nach einer Weile Fussmarsch bergauf sahen wir auch schon die blauen Holzlatten des Casita durch die Bäume blitzen. Am Weg stand Angi und wir freuten uns endlich da zu sein und die beiden zu sehen. Wir legten unsere Rucksäcke ab und begutachteten das kleine Häuschen in dem wir die nächsten Wochen wohnen würden. Plötzlich schrie ein Nachbar nicht all zu weit entfernt wir sollen doch kommen, er hätte eine Schlange gesehen. Wir rannten über den erdig nassen Weg auf des Nachbar´s Weide und sahen gerade noch, wie er eine 2 Meter lange Boa Constrictor mit einem Stock zu Grunde brachte. Sie hatte ihn anscheinend attackiert und er dachte sie sei giftig. Boas sind nicht giftig, jedoch glauben viele Ticos (so werden Costarikaner genannt) Schlangen können sich kreuzen und somit könnten alle giftig sein (ein alter Mythos). Der Anblick der Schlange war irgendwie seltsam. Einerseits (für mich) verängstigend, da wir gleich mit solch einer großen Schlange in den ersten paar Minuten konfrontiert wurden, andererseits atemberaubend und etwas schade, da das Tier zur falschen Zeit am falschen Ort war, so wie auch der Nachbar. 

Ein Blick rund um Casita Azul

Das kleine blaue Holzhäuschen um das es sich dreht, steht eingebettet in einer saftig grünen kleinen Wiese neben dem Weg, der noch weiter hoch zu Andi´s und Angi´s Haus führt. Es gibt 2 kleine Schlafräume, eins mit Doppelbett und eins mit Einzelbett, eine kleine Kochniesche mit Waschbecken, ein kleines Wohnzimmer mit Tisch und Bänken und sogar eine Dusche mit heissem Wasser. Es ist sehr gemütlich und mit Liebe eingerichtet. Man schläft unter einem Moskitonetz und abends, wenn der Regen auf das Blechdach prasselt, ist es noch gemütlicher.

Der von der Regenzeit genährte Dschungel umkreist den Garten und die üppig grünen Kuhweiden und Gemüsefelder. Bananenbäume, Büsche mit Blüten in allen Farben und verschiedenste andere Fruchtbäume säumen die Umgebung. Dicht bewachsene Bäche schlängeln sich durch die Landschaft. Kolibris, andere bunte Vögel und Schmetterlinge flattern gekonnt zwischen den großen Blättern der exotischen Pflanzen. Mit jedem Blick erforscht man eine neue Pflanze. Zikaden durchbrechen mit ihren schrillen Lauten die Abendruhe, Kröten hüpfen vorbei und Gekkos gehören zum Inventar eines jeden Häuschen´s. Der Dschungel erwacht in der Dämmerung, man fühlt sich wie in einer anderen Welt. Es ist aufregend, mit jedem Schritt könnte man ein neues Tier entdecken. Flora und Fauna an diesem Ort sind unbeschreiblich. Beeindruckend, bunt, fröhlich, lebendig, wild und manchmal etwas unheimlich. Unbändige Freiheit macht sich breit, man spürt, dass hier nicht die Menschheit über die Natur richtet, sondern die Menschen sich an die Natur anpassen. Man respektiert sie und nimmt dankbar an, was sie einem schenkt.

Die ersten paar Tage relaxten wir viel, genossen die Ruhe, die nur ab und an durch die Laute der Tiere unterbrochen wurde. Wir halfen beim Abwasch, beim Kochen der leckeren Mahlzeiten und auch beim Unkraut zupfen auf der Kuhweide konnten wir uns einbringen.

Zu fünft schafften wir die Weide in ein paar Stunden. Im Haus von Angi und Andi wohnt zur Zeit auch noch Max. Er ist aus Attersee und verbringt 2 Monate hier im Land. Wir werden die letzten Tage gemeinsam durch Costa Rica reisen, aber dazu mehr wenn es soweit ist. 

Zuckerrohr pressen und naschen

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Ein Nachbar von Angi und Andi, sein Name ist Ismael, hat eine urige alte Zuckerrohr- Presse, die die beiden ab und an nutzen dürfen. Seit vielen Jahrzehnten liegt diesen bereits in Familiengebrauch. Das Zuckerrohr wächst neben der Hütte, wo die Presse steht. Ismael hat das Rohr bereits geschlagen als wir am Morgen bei der Hütte ankamen. Nun musste es noch von Erde und Schmutz befreit werden. Wir wuschen es sorgfältig, das Zuckerrohr sieht aus wie Bambus und hat eine grün bis rötliche Farbe. Nach dem Waschen werden immer 2 Rohre auf einer Seite in die Presse geschoben. 2 Helfer drehen einen großen Stamm, der die Presse antreibt. Früher als Ismaels Famile noch Ochsen besaß, war das Drehen deren Arbeit. Einer steht auf der anderen Seite und zieht das plattgepresste Zuckerrohr heraus. Dies wird immer zwei mal gepresst. In der Mitte steht ein großer Topf in den das Zuckerwasser fließen kann.

Man kann das Zuckerrohr von der Schale befreien und aussaugen. Es schmeckt wahnsinnig lecker aber fast auch zu süss. Nach getaner Arbeit füllte die Frau des Nachbarn Doña Isabella den Saft in einige Flaschen um. 12 Liter pressten wir an diesem Tag. Der Zuckerrohrsaft wird verarbeitet zu Essig und Sirup. 

Erster Wasserfall im Dschungel Costa Ricas

Gleich am ersten Wochenende fuhren wir im Jeep (der übrigens „Hansi“ heißt) zu einem Wasserfall schwimmen. Über Felsen und Wurzeln, auf und ab führte uns der Weg zum kleinen Paradies. Das Wasser war erfrischend kühl, man konnte hinter den „Llano de cortes“ (so heisst der Wasserfall) klettern, auch neben diesem führt ein Weg hoch, von wo man einen schönen Ausblick auf das Wasser hat. Es war gemütlich, auch die ersten größeren Echsen ließen sich blicken.

 Nationalpark Tenorio

Der nächste Ausflug war ein Besuch in Pandora. Zumindest erinnerte das blitzend blaue Wasser im Nationalpark an Avatar. Ein Wanderweg führt durch den Park, vorbei an wunderschönen Lagunen, Wasserfällen und allen möglichen tropischen Pflanzen. Von einem Aussichtspunkt aus kann man den Vulkan „Tenorio“ beobachten. Die Wanderung war ein Highlight, die Natur beeindruckend. Am Schluss kann man beobachten, wie zwei Flüsse zusammenlaufen und daraus der „Rio Celeste“ entsteht. Beide Flüsse beinhalten verschiedene Mineralien und somit ergibt die Reaktion die Blitzblaue Farbe des Flusses. Dieser Ort war wundervoll und auf jeden Fall einen Besuch wert. Bei der Heimfahrt entdeckten wir zu unserem Glück Brüllaffen in den Bäumen neben der Straße. Diese sind so garnicht scheu, auch ein kleines Affenbaby zeigte sich uns. Neugierig späten sie aus den Bäumen bevor sie sich nach einigen Minuten in den Wald zurück zogen.

Von heissen Quellen, Windrädern & Vulkanen


An diesem Tag machten wir zu fünft eine Autorundfahrt mit vielen schönen Stopps. Zum Beispiel an einer heißen Quelle in der wir gemütlich plantschten. Das Wasser dort hat ca. 35 Grad, man fühlt sich wie in einer natürlichen Badewanne. Es war herrlich, rundherum die großen Blätter der exotischen Fauna. Den Vulkan „Arenal“ sahen wir auf unserem Weg immer wieder, Rund um den sehr klaren und sauberen „Arenalsee“ war der Vulkan besonders schön anzusehen. Diese stillen Riesen haben irgendwie etwas mystisches an sich. Ein Teil davon wurde immer von der Wolkendecke verhüllt. Einen der schönsten Sonnenuntergänge genossen wir an einem wunderschönen Aussichtspunkt mit vielen Windrädern, Kühen und Wiesen soweit das Auge reicht. Man könnte ewig über die steinigen Wege zwischen dem üppigen Grün wandern. Der Sonnenuntergang war atemberaubend. Die Wolken spiegelten alle Farben von hell gelb bis nahe zu dunkel rot. Als hätte jemand ein Bild in den Himmel gemalt. Zufrieden und begeistert machten wir noch einen letzten Stopp in einem Soda (Imbiss) bevor wir nach Hause zurück kehrten.

Die nächsten Tage verbrachten wir mit relaxen, Spiele spielen oder gemütlich zusammen sitzen. Alex half Andi beim Graben eines Kartoffelbeetes und ich säete Radieschen und Sojabohnen an. Wir fühlten uns sehr wohl und genossen den Abstand zu Tourismus und Zivilisation sehr. Nur hier und da kam ein Nachbar vorbei auf dem Weg zu oder von seiner Weide.

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18 Tage verbrachten wir im Casita Azul bei Angi und Andi.

Zum Leben hier gehört schon einiges dazu. Sei es das Wissen über die Selbstversorgung oder der Umgang mit den hier lebenden Tieren. Zwischen Leben und Erleben ist ein großer Unterschied, wie Alex schön zu sagen pflegt und wir wollen lieber erleben. Es war eine spannende Zeit, wir haben einiges gelernt für uns selbst und haben auch neue Freunde gewonnen!

Nun geht unsere Reise weiter Richtung Pazifikküste, vermissen wir doch schon ein wenig das weite Meer und sein angenehmes Rauschen.

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