Viñales, Kuba – Tabak, Bananen, Naturparadies

Befinden: beeindruckt von all dem saftigen Grün und der Dschungelartigen Landschaft
Ort: Schaukelstuhl im Hof des Casas unter einem großen Baum
Lektion: In der Regenzeit Ausflüge vormittag planen, da es nachmittags meist Gewitter und teils Monsun artigen Regen gibt 

Die Taxifahrt von Trinidad nach Havanna zu fünft dauerte 4 Stunden. Das Taxi hatte Klima und die Mitfahrer waren sehr angenehm, somit verging die Zeit ziemlich schnell und die Fahrt war ok. In Havanna hatten wir einen kurzen Zwischenstopp von 2 Nächten bevor es weiter ging nach Viñales. Es gab für den nächsten Tag keine Tickets mehr für den Bus, somit checkten wir erst einen Tag später ein.

Die hinterste Reihe teilten wir uns mit 2 sehr aufgeschlossenen, lustigen Tirolerinnen (Michi & Judith), die gemeinsam 3 Wochen Urlaub auf Kuba machten. Wir verstanden uns auf Anhieb, die 3,5 Stunden Fahrt war lustig und wir unterhielten uns viel.

Im vermeintlich kleinen Viñales angekommen überrumpelte uns erstmal Chaos. Die Vermittler von Casas, Restaurants und Ausflügen warteten in ganzen Gruppen vor dem Bus. Man konnte gerade halt noch aussteigen, viele quatschten uns gleichzeitig an, manche wurden wir auch gar nicht so schnell los. 

Eins, zwei, drei Casa Particulares
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Am Weg im kurzgeschlossenen Lada beschloss jeder für sich bereits, das wir am nächsten Tag ein neues Casa aufsuchen würden. Der Weg ins Zentrum war einfach zu weit, das Zimmer zu abgelegen. Nachdem wir unsere Rucksäcke erstmal im Casa abstellten, machten wir uns auf die Suche nach einem passenderen Haus. Und siehe da, Viñales ist doch kleiner als man denkt, liefen uns unsere 2 Tiroler Bekanntschaften über den Weg. Sie schlossen sich uns an und gemeinsam schlenderten wir durch die Straßen. Das neue Casa fanden wir ziemlich zentral gelegen, die Vermieterin Marisel, eine sehr nette Dame zeigte uns das kleine eigenständige Häuschen, in dem wir schlafen würden. Ein Zimmer mit Fenster hinaus in den hinter dem Haus gelegenen Garten mit Guave-, Bananenbäumen und unzähligen Geckos. Wir reservierten das Zimmer für die nächsten 4 Nächte.

Ein weiteres Casa Particular buchten wir im Anschluss für die letzten 4 Nächte, bevor wir wieder zurück zum Flughafen mussten. Wir wollten ein wenig die Unterschiede der Casas kennen lernen und so erlebten wir auch ein paar skurrile Situationen.

Etwas seltsam war zum Beispiel die alte Alzheimer kranke Frau im Casa Nr. 2 die uns, als sie uns sah, prompt aus dem Zimmer verjagen wollte und das einige Male. Man wusste nie so recht was als nächstes geschieht.

Im Gegensatz dazu waren die Gastgeber im Casa Nr. 3 sehr professionell, wir hatten stets genug Privatsphäre und sehr viel Platz zum Entspannen im schön begrünten Hof mit gemütlichen Schaukelstühlen. Generell hatten wir immer sehr viel Glück mit den Casas, wir fühlten uns fast immer wohl und wurden sehr nett aufgenommen. Man merkt, das die Casa Particulares eine wichtige Einnahmequelle auf Kuba sind.

Viñales – eine kleine Stadt mit viel Tradition
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Angekommen in Viñales erscheint einem die Stadt doch größer als in der eigenen Vorstellung. Es herrscht teils reger Verkehr und viele Touristen tummeln sich auf den Straßen und in den vielen Restaurants und Cafés auf den Veranda´s oberhalb des Gehweges.

An einigen Ecken gibt es kleine Obst- oder Gemüsestände, die Ware wird von den Bauern selbst an den Mann gebracht. Oft holten wir uns für den Nachmittagssnack oder fürs Abendessen eine frische Avocado und eine der schmackhaften Mangos. Knoblauch kauft man bei dem am Fahrrad vorbei ziehenden Bauern.

Hier und da sitzen Kinder oder Erwachsene auf einer Veranda beim Frisör ihres Vertrauens. Ein göttliches Bild war, als wir bei einer Veranda vorbei spazierten, wo gerade einem Jungen ein Kurzhaarschnitt verpasst wurde. Der Junge lächelte zufrieden während die Sonne ihre Strahlen auf die davon fliegenden Haare warf. Hunde liegen im Schatten unter Bäumen, Hühner scharren in der Erde um Futter für die Küken auszugraben. Hebt man seinen Blick über die Dächer Viñales, erhascht man hier und da einen Blick auf die gigantischen Mogóten. Berge, die mit ihren grünbewachsenen Steilwänden das Viñales Tal umrahmen. Reitende guajiros (Leute vom Land) durchqueren die Stadt, um die Pferde vom Feld nach Hause in den Stall zu bringen. Dieser Platz hat seinen eigenen Zauber, jeder kennt jeden, man lebt sich schnell ein und fühlt sich zuhause. Die umliegende Natur ist spürbar nahe und die Zeit scheint etwas langsamer zu verstreichen.

Eine lustige Nacht & twisten am Hauptplatz

Am darauffolgenden Tag hatten wir eine Verabredung mit Michi und Judith. In einer Tapas Bar verköstigten wir uns mit Thunfischtaschen, Salat und Tumaca Brot (getoastetes Brot mit Öl und Tomaten) und einigen Piña Coladas, Bier und Rum. Der Abend war fantastisch, wir hatten unendlich viel zu lachen, unterhielten uns über alle möglichen Eigenheiten verschiedenster Länder und freuten uns einfach über das Leben. Zum Verhängnis wurde uns, das man, bestellt man ein Getränk mit Rum, die Flasche dazu bekommt. Denn man darf nachschenken so oft man möchte. Die Drinks werden immer stärker, die Flasche immer leerer. Und so kam es, das wir am Weg ins Casa noch einen Stopp am Hauptplatz einlegten. Ein (zu unserer Verwunderung) HipHop Battle war im Gange, die laute schlechte 90er Musik dröhnte aus alten Boxen, angeschlossen an einen urigen Stand PC der mitten am Platz auf einem kleinen Tischchen stand. Wir beobachteten die Battles, bis sich der Kreis der Zuschauer löste und plötzlich Elvis Presley ertönte. Das war unser Zeichen. Wir tanzten als gäbe es keinen Morgen. Die Leute sahen erstaunt zu als sie sahen, das unser Tanzstil alles andere als kubanisch war. Die Nacht ließen wir mit einem kühlen Bier im Hof des Casas ausklingen bevor Alex und ich in unseres ein paar Häuser weiter heimkehrten. Den Abend werden wir nicht vergessen, es war ein tolles heimeliges Gefühl mit den beiden, ich hoffe sie haben noch eine eben so tolle Zeit auf der Insel, denn am nächsten Tag ging es für sie weiter zum nächsten Stopp. 

Das Wandern ist des Backpackers Lust
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Die Straße entlang raus aus der Stadt vorbei an Ochsen, die in ihren Gespannen, geführt von den Bauern, die rostbraunen Äcker durchpflügen. Vorbei an verwachsenen Zäunen, grasenden Pferden und mit Stroh bedeckten Trockenhäusern, in welchen Tabakblätter zur Trocknung hängen. Einige Kilometer wanderten wir durch diese Kulisse bis wir durch den Eingang, gebildet zweier Mogóten Felsen, zum Nationalpark kamen. Das „mural de la prehistórica“ ist eine 120 Meter breite Wandmalerei an dem Künstler vier Jahre lang arbeiteten um die Kultur Kubas offen zulegen. Die bunte Felswand zeigt Menschen, Schlangen und andere Wesen. Das Bild befindet sich auf einer der Mogótenfelsen, umwachsen von Gebüsch und Hängepflanzen. Atemberaubend. Am weiteren Wanderweg passierten wir dicht wachsende Bananenfelder, wild wachsende Wiesen und wasserbedeckte Reisfelder. Ochsen, Pferde, Ziegen grasten auf der Weide im Schatten eines bunt blühenden Baumes. Verschiedenste Schmetterlinge in allen Farben fliegen umher, Vögel zwitschern. Der unebene Wanderweg führte uns zu einem kleinen Aussichtspunkt. Ein junger Bauer mit seinem großen löchrigen Strohhut winkte uns, er hätte Kokosnuss- und frischen Mangosaft. Es war heiß und wir waren durstig. Wir kehrten in seinem kleinen strohbedeckten Platz ein, die Aussicht in das Viñales Tal war eindrucksvoll. Man fühlt sich wie „In einem Land vor unserer Zeit“. Hunderte Pflanzenarten bringen unglaublichen Kontrast in die Landschaft, Grüntöne von hell bis dunkel verfeinern das Bild. Man blickt kilometerweit in die Ferne, die Gedanken ziehen vorüber, man genießt den Augenblick. Der Bauer setzte sich zu uns und zeigt uns die Kunst des Zigarre Drehens. Er summte ein Lied, während er die runzeligen Tabakblätter zu einer Zigarre verarbeitete. Er erzählte uns über die Gegend und über seinen Vater der das Drehen besser beherrsche als er. Glücklich über die Gastfreundschaft und die Ruhe machten wir uns nach einer Weile auf den Rückweg. Die Natur ist fast unbeschreiblich, in Kombination mit solch einem Erlebnis und den Gesprächen wurde dieser Tag für uns unvergesslich. 

Ausflug zur dritt größten Höhle Lateinamerikas – La Cueva Santo Tomás

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An diesem Tag hatten wir das Glück die einzigen zu sein, die am morgen die Höhle Santo Tomás besuchten. So bekamen wir 16km ausserhalb der Stadt eine Privatführung von dem Guide. Nur ein kleiner Hund begleitete uns durch die Höhle, er schien sie auswendig zu kennen. Zu der 6 Millionen Jahre alten Höhle stiegen wir mit unseren Helmen und Kopflampen hoch zum Eingang über Holzstufen und ungleich große Felsen. Oben angekommen war die Sicht ebenso wunderbar, wie die Farben der Felswände. Grau bis braun, feucht, in allen Formen bewunderten wir die Stalagmiten und Stalaktiten an denen wir vorbeikamen. Fledermäuse waren hier und da zu hören. Die Gänge waren teils eng und holprig, teils rutschig und nass. Und auf einmal stand man wieder in einer Riesen Höhle. Bevor es zurück ging sahen wir eine Pflanze mitten in der Höhle im Stockdunklen. Diese Pflanzen wächst aus den im Guano der Fledermäuse enthaltenen Samen. Eine Woche beträgt ihre Lebensdauer. Es ernähren sich die kleinen Blutsauger von diesen Pflanzen. Am Weg erfuhren wir viel Interessantes über die Höhle, über Kuba und den Tourismus. Die Höhle war ein tolles Erlebnis, ich bin gespannt welche Höhle wir als nächstes erforschen werden.

Vom Tal aus sieht man das bekannte Hotel „Los Jasmines“, wir beschlossen am nächsten Tag hin zu wandern, die Aussicht musste unglaublich sein. Dort angekommen wechseln sich die Touristenbusse ab. Das Hotel steht ganz oben am Hügel, die Aussicht ist gigantisch und es gibt einen Pool. Der Tourismus zerstört nur leider die Ruhe und alles ist etwas chaotisch. Nach nicht all zu langer Zeit machten wir kehrt und fanden am Rückweg einen ruhigen versteckten Mirador (Aussichtspunkt ca. 3km entfernt bei einem Café) mit Blick über die Stadt Viñales. Wir genossen ein Glas Sangria und die Sicht auf die rotbraunen Tabakfelder bevor wir eines der vielen Trockenhäuser besuchten.

Zigarren?

Na klar! Bei einem Besuch in einem Trockenhaus erfuhren wir mehr über die Tabakindustrie und die Lagerung. Es dauert ca. 3 Monate bis eine Tabakpflanze die richtige Größe für die Ernte hat. Danach werden die ovalen Blätter hängend 3 Monate getrocknet bevor sie verarbeitet werden können. Leider ist Trockenzeit auf Kuba im Frühjahr, somit hingen nicht viele Pflanzen im Haus. Der Mittelstrunk wird vom Blatt entfernt. Dieser beinhaltet den Suchtstoff Nikotin. Zu meiner Verwunderung erklärte uns der Arbeiter im Trockenhaus, das Zigarren kein Nikotin enthalten, da ja dieser Strunk entfernt wird. Einige Blätter werden zusammen gelegt, mit einem weiteren wird die Zigarre gedreht. Ist die Zigarre erst mal fertig, muss sie 1 Jahr gelagert werden, bevor sie verkauft werden kann. Die Zigarrenherstellung nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und verlangt Geduld und einiges an Geschick. Die Cohiba ist die bekannteste Kubas. Gefolgt von Guantanamera und Montecristo der stärksten, Romeo y Julieta ist die leichteste.Wir werden ein paar der Vegas Robainos verkosten, diese gelten als die feinsten der Welt und die Marke soll noch exklusiver sein.

Eine lustige Anekdote zum Schluss:

Ich stehe in der Dusche, wasche mir mit dem angenehm kühlen Wasser das letzte Shampoo aus den Haaren und drehen das Wasser ab. Während ich noch in der Dusche stehe und mir gerade die Haare ins Handtuch einwickle, entdecke ich fast auf Augenhöhe an der Wand einen ca. 15cm großen Frosch der mir direkt in die Augen guckt. Hört sich alles nicht so spektakulär an, das war es aber. Vor Schreck wäre ich fast aus der Dusche gestolpert, den Frosch hat es mit Sicherheit ebenso erschreckt. 😀 Die Dame des Hauses wusste sofort das es sich um „una rana“ (einen Frosch) handelt als ich sie um Hilfe bat, da keiner von uns das Tier anfassen wollte. Sie stoppte prompt einen Fahrradfahrer auf der Strasse, der diesen doch bitte entfernen sollte. Witzig wie hilfsbereit alle sind. Stell dich in Österreich auf die Straße und bitte mal einen Fremden einen Frosch aus dem Bad zu entfernen :D.

Die Stadt in der Provinz Pinár del Rio war unsere letzte Destination auf Kuba und zugleich die schönste. Wir genossen die Natur sehr und bekamen einige gute Einblicke in das Leben und die Kultur. Vielleicht kommen wir eines Tages hierher zurück um zu wandern, den Zigarren Rollern zu zusehen oder in einem der gemütlichen Casas zu verweilen. Viñales hat viel zu bieten, wobei die Natur das Einzigartigste ist.

So lassen wir die Zeit auf Kuba ausklingen und bereiten uns gedanklich auf Costa Rica vor. Wir freuen uns auf die Zukunft, aber auch über die Gegenwart und was wir bisher erleben durften.

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