Trinidad, Kuba – Kunst, Kultur & heißer Salsa

Befinden: positiv überrascht von dem kleinen bunten Ort
Neuer Cocktail: Cancánchara – Honig, Rum & Limette
Lektion: Sage niemals nein, wenn dich ein Kubaner zum Tanz auffordert! 

Die Fahrt über Kopfsteinpflaster in einer klimatisierten Seifenkiste

… oder so ähnlich kann man sich unsere ca. 1,5 stündige Busfahrt von Cienfuegos nach Trinidad vorstellen. Von gut befahrbarer Straße fehlt hier jede Spur, über Stock und Stein und unzählige Schlaglöcher brachte uns der Fahrer angestrengt an unser Ziel. Ab und an ein kurzer Stop um frisches Obst zu kaufen. Für den Fahrer natürlich. Von Schlafen konnte hier nicht die Rede sein, beim Versuch hat es Alex mal fast vom Sitz runter geschüttelt, was wiederum schon lustig war. Zu unserem Pech saßen wir ganz hinten, neben der Toilette. Das war aber noch nicht unser Pech. Sondern das, das es einem Passagier anscheinend hundeelend ging und dieser des öfteren die besagte Toilette aufsuchen musste. Die Horrorfahrt war somit perfekt. Naja immerhin, die Dauer der Fahrt war absehbar und so freuten wir uns, als wir aussteigen konnten.

Etwas skeptisch verließen wir den Bahnhof, da wir des öfteren gewarnt wurden vor den sogenannten Schleppern, die es besonders in Trinidad geben soll. Erst mal zu dem Wort „Schlepper“: Ich denke eine komplett falsche Bezeichnung für das, was es ist. Bei den Schleppern handelt es sich lediglich um nervige Leute, die unbedingt ihr Casa vermieten, ihre Taxidienste anbieten oder dich in ihr Restaurant holen wollen. Besser beschrieben sind sie mit „Vermittler“. Manchmal geben sie sich anscheinend auch als Vermieter aus, wenn du ihnen mitteilst in welches Casa du musst und bringen dich dann in ihr eigenes Casa. Für mich ist das Wort „Schlepper“ eher furchteinflößend, wobei die Menschen hier es absolut nicht sind. Sie sind vielleicht etwas nervig, jedoch lassen sie dich spätestens beim zweiten „No! Gracias!“ in Ruhe und sind weder böse noch gefährlich.

Leider waren die Zimmer im Casa unserer Wahl bereits besetzt. Es gehört einer beliebten Salsalehrerin und das wäre natürlich ein Traum gewesen hier zu übernachten und die ein oder andere Tanzstunde zu nehmen. Die Tanzstunde sollte sich jedoch später noch von selbst erledigen. Die Besitzerin war sehr hilfsbereit und begleitete uns prompt zum Casa um die Ecke, es gehöre einem Freund und er hätte ein freies Zimmer teilte sie uns mit als wir bereits im großen Saal standen. Die Familie begrüßte uns freundlich und zeigte uns das Zimmer. Wir beschlossen es zu buchen. Zentral, gemütlich und die Familie sehr sympathisch. 2 Großeltern, 2 Enkel in unserem Alter die sich um alles kümmern und ein kleiner Hund. Sehr klein. Ich wäre fast darauf getreten, so klein. Naja.

Wir machten uns noch auf die Suche nach einem leckeren Abendessen und planten unseren Trinidad Aufenthalt.

Spaziergang durch Trinidad

Sightseeing in der Stadt war am nächsten Tag angesagt. Nach einem reichhaltigen Frühstück (wie in jedem Casa Particular) machten wir uns fertig und entdeckten die kleine Stadt. Die Häuser sind klein und in kräftigen Farben gestrichen. Die Farben sind noch erstaunlich frisch und leuchten in der Sonne. Über die Straßen geht man auf holprigem Kopfsteinpflaster. An jeder Ecke ein Café oder kleines Geschäft. Wobei, wenn man von einem Geschäft spricht ist noch lange nicht die Rede von Wasser. Nudeln, einzelne Suppenwürfel und lächerlich überteuerte Pringles in jedem Geschäft, aber wo kauften wir unser Wasser, in einem Elektrogeschäft. Ja, auf das muss man erst mal drauf kommen :). Die Straßen sind eng und manchmal etwas verwinkelt, doch nach jeder Kurve gibt es neues zu entdecken. Sei es ein Häuschen in prächtiger Farbe, ein Bauer mit seinem Esel oder ein paar kleine Kinder beim Ballspielen.

Trinidad ist Heimat vieler Künstler, Musiker und Philosophen, so stand es in unserem Reiseführer. Dies scheint wohl wahr zu sein, wir besuchten verschiedene Galerien, historische Museen und lauschten einigen Musikern im Park.

Ein ganze besonderes Museum war die Galeria de arte. Ein sehr altes Gebäude mit hohen geschnitzten Holzdecken. Von den kleinen Balkons aus kann man auf den Plaza Mayor, den Hauptplatz schauen und das bunte Treiben beobachten. Es gibt wunderschöne Ölbilder und Fotografien von Land und Leuten, berühmten Menschen oder Tieren. Man streift durch die Tageslicht durchfluteten Räume über den unregelmäßig geziegelten Boden vorbei an schlafenden Galeriemitarbeiterinnen, die gemütlich in ihren Stühlen sitzen und lässt die kubanische Kunst auf sich wirken.

Im historischen Museum mit großem Innenhof waren alte Waffen, Werkzeuge und Fuhrwerke ausgestellt. Nach dem wir eine Weile umherschlenderten fanden wir die enge Treppe, die auf den höchsten Turm Trinidads führt. Wir gingen hinauf über die Steintreppe, diese wurde im letzten Stock zur noch engeren Holz- Wendeltreppe. Man musste warten bis keiner die Treppe in entgegengesetzter Richtung nutzte, erst dann konnte man schnell hochsteigen. Fast oben angekommen, steigt man die letzten Stufen wie an einer Leiter hoch, steil und schmal. Der Ausblick ist die Mühe auf jeden Fall wert. Man sieht über ganz Trinidad, die bunten Häuser, Dachterassen, Parks. Auf einer Seite gesäumt vom Meer, auf der anderen von den Zinnen Kubas zweitgrößtem Gebirge der 90km langen Sierra del escambray.

 

Cancánchara auf der Dachterasse & Salsa mit Mojito

Am Abend saßen wir gemütlich auf der Dachterasse mit Raúl, dem Vermieter unseres Zimmers. Als Gäste des Hauses bekamen wir einen Willkommens Cocktail namens „Cancánchara“. Rum mit Honig und Limette, süffiges Getränk und sehr erfrischend. Wir unterhielten uns über die Unterschiede unserer Länder, das kubanische Leben und über seine Pläne. Er ist Anfang 30, Vater zweier Kinder und Barkeeper in einem angesehenen Restaurant. Aufgrund der aktuellen Lage zwischen Amerika und Kuba wächst die Hoffnung vieler Einwohner auf mehr Erfolg. So möchte Raúl seine Dachterasse zum zweiten Zimmer ausbauen, sogar mit Küche. Sein Casa liegt sehr nahe am Busbahnhof und gleichzeitig am Zentrum, die Lage ist also perfekt. Seit Obama wurden die amerikanischen Gesetze welche Kubareisen betreffen gelockert, somit hoffen Raúl und viele andere auf mehr Tourismus in den nächsten 1-3 Jahren. Kuba noch authentisch und echt erleben, das wird wohl leider nicht mehr lange der Fall sein, darum sind wir froh, das wir genau jetzt hier sind.

Nach dem interessanten Gespräch spazierten wir durch die Menschen gefüllten Straßen und besuchten eine Bar – „Casa de la Trova“. DIE Bar um Salsa zu tanzen. Die erste Band spielte bereits als wir unseren Platz in der hinteren Reihe zugewiesen bekamen. Vorne gibt es eine kleine Bühne, die Platz zum Tanzen bietet. Man befindet sich in einem offenen Hof, bewachsen mit blühenden Pflanzen. Wir saßen neben einem netten tanzlustigen Kubaner, der enthusiastisch mit uns quatschte. Das wir nur die Hälfte verstanden, schien ihm nichts aus zumachen. Das la Trova füllte sich schnell und auch auf der Bühne tummelten sich die Tanzpaare mit gekonnten Hüftschwüngen. Hier wächst man mit dem Tanzen auf. Klassisch wurden die Frauen von den Männern aufgefordert, so dauerte es nicht lange, bis der redselige Kubaner auch mich aufforderte. Ich winkte dankend ab, dies funktionierte jedoch nur die erste 2 mal. Irgendwann standen auch Alex und ich mitten in der Menge und versuchten uns im Salsa. Wir hatten sehr viel Spass und schwitzten wie wild. Amüsiert und verschwitzt spazierten wir nach ein paar Stunden Salsa nach Hause, diesen Abend werden wir wohl nicht vergessen :). 

Baden unter einem Wasserfall & die Geschichte der Vogel-Wettbewerbe

Am letzten Tag in Trinidad hatten wir einen organisierten Ausflug gebucht. Es sollte der Parque el cubano werden, ein Dschungelähnlicher Park mit Wasserfällen und Hängebrücken. Mit dem Bus fuhren wir, eine Gruppe Engländer, wir und der Guide John Elvis, bis zum Eingang des Parks.

John Elvis war ein guter Guide, er erzählte auf dem Weg viel interessantes über die Pflanzen, Tiere und die Geschichte des Parks. Zum Beispiel das sich in diesen Wäldern einst Che Guevara aufhielt und sein Lager aufschlug. Er kennt den Park auswendig und kann jedes Tier, jeden Platz und jede Pflanze erklären und weiß eine Geschichte dazu. Eine wackelige Hängebrücke war der Eingang zum Wanderweg. Entlang an kleinen Bächen gingen wir über Stein und Erdwege, vorbei an üppigen Wiesen und saftig grünen Palmen. Auch an einer Felswand wanderten wir vorbei, an dieser hunderte Wespennester in Tropfenform herunter hängen. Ein Foto davon gibts im dazu gehörigen Album.

Auf halber Strecke besuchten wir einen Bauern, der mitten im Park lebt mit einigen Hühnern und einer kleinen Katze. Er bot uns Kräutertee an, der schmeckte lecker und wirkte bei der Hitze sehr erfrischend. Der Mann lebt in einer Hütte, ohne Strom. Kochtöpfe erhitzt er über der Glut seiner selbst produzierten Kohle. In der Hütte ist es recht dunkel, jedoch gemütlich, hier und da hängt ein kleines altes Foto an der Wand, Pflanzen in Bambustöpfen zieren die Veranda. Die Toilette befindet sich in einem kleinen Holzverschlag im Garten. Es war ein interessanter Besuch bei diesem netten alten Mann.

Am weiteren Weg sahen wir Dank dem geschulten Auge des Guides eine Schlange, die sich gerade in den Fluss zurückzog, viele Gekkos und einige interessante große Falter.

Beim Wasserfall angekommen stürzten wir uns trotz des seltsamen Gefühls, das ein paar Meter zuvor die Schlange in den Fluss gekrochen war, ins erfrischende Wasser. Süsswasser und ca. 24 Grad. Ein Traum. Dies war das erste Badewasser auf unserer Reise, welches unter 30 Grad hatte! Es war so erfrischend, wir schwammen unter den Wasserfall in die Höhle. Fledermäuse flogen umher. Von den Klippen konnte man ins Wasser springen. Wir verweilten einige Zeit, bevor wir uns auf den Rückweg machten. John Elvis war sehr kommunikativ und wusste über alles bescheid. So kamen wir auf die unzähligen Vogelkäfige, die überall in Kuba auf den Straßen, in und vor den Häusern hängen.

Der Guide erklärte uns, das man mit den Vögeln Wettbewerbe bestreitet. 2 Vogelkäfige werden gegenüber hin gestellt. Ein Vogel fängt an zu singen, der andere singt zurück. Dies geht solange bis der erste keinen Ton mehr von sich gibt. Dieser ist somit der Verlierer. Der Gewinner bekommt als Preis den Verlierervogel und muss ihn freilassen! Der Gewinnervogel bleibt. Eine sehr schräge Geschichte wie ich finde.

 

Am Rückweg kühlten wir uns an einem weiteren kleinen Wasserfall ab bevor es wieder zurück ging Richtung Bus.

Der Ausflug war sehr schön, wir erfuhren vieles interessantes und hatten sehr viel Spass. Auch die Gespräche mit den Engländern taten uns gut. Einer davon hat ebenso vor nach Südamerika zu reisen sobald er sein Studium abgeschlossen hat und war bereits einige Monate in Asien unterwegs. Es ist schon erstaunlich wie viele Menschen auf der Welt tatsächlich länger Reisen und backpacken. Erst wenn man sich damit befasst oder selber Backpacker ist, kommt zum Vorschein, wie wichtig Reisen für viele Menschen ist. Ein schönes Gefühl, das soviele gleichgesinnte unterwegs sind.

Mit diesen Gedanken machten wir uns einen gemütlichen Abend und bereiteten uns auf den nächsten Tag und eine 4 Stunden Taxifahrt nach Havanna vor.

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