Havanna, Kuba – Schönheit hinter bröckelnder Fassade

Befinden: zurückversetzt in eine andere Zeit
Getrunkener Rum: zu viel
Lektion: Erwarte nicht nur Salsa, Zigarren und Oldtimer

Eine kurze Einführung

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Geprägt durch ausländische Einmischungen und blutige Revolutionen vor einigen Jahrzehnten ist das heutige Kuba zum ersten Mal ganz auf sich gestellt. Die bröckelnden Fassaden vieler Gebäude sind Spiegelbild der vergangenen Zeit. Die 3 markantesten Charaktere Kubas sind Che Guevara und die Gebrüder Fidel und Raúl Castro. Diese 3 formten die Vergangenheit und setzten sich für das Land mit allen Mittel ein, die sie hatten. Seit dem Zerfall der Sowjetunion verlor Kuba die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes. Seither lebt das Volk in der sogenannten „Spezialperiode in Friedenszeiten“ wie es Fidel Castro beschreibt. Die Insel befindet sich somit im wirtschaftlichen Wachkoma und das Volk lebt mit Rationierungen und Einschränkungen. Veränderung steht jedoch bevor, das Verhältnis zwischen USA und Kuba verbessert sich, der Tourismus wächst und somit die Möglichkeiten der Einnahmequellen. Hoffnung und Angst sind gleichzeitig zu spüren, da mit jedem Eigriff auch ein Stück freies Kuba verloren geht.

(Die Geschichte Kubas ist dermaßen interessant und weitläufig, es würde Tage dauern, alles genau zu erläutern. Darum gibt es hier nur einen kurzen Einblick für euch.)

Beim Hotel angekommen, müde vom Flug und doch gespannt auf die Stadt, die Menschen, die Kultur und die Geschichte. Rauf in den 4ten Stock über eine enge Treppe (Fahrstühle sind kaputt), mit all unseren Kilos an Gepäck. Das Treppenhaus gleicht einer Sauna. Endlich frei von den Rucksäcken schnauften wir erst mal ordentlich durch, bevor wir die Straßen Havannas erkundeten. Der Ausblick vom Balkon aufs Meer war fantastisch, der Himmel rot vom Sonnenuntergang.

Havanna – Zeitreise & Kontraste

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Die ersten hundert Meter durch Kubas Hauptstadt waren unbeschreiblich. Überall stehen Einwohner vor kaputten Holz- oder Gittertüren, die in deren Wohnungen führen. Der ein oder andere verkauft vor seiner Haustür selbstgebastelten Schmuck oder frisches Obst, ein anderer Ersatzteile für Autos oder Brot. Ein eigenes Gewerbe darf man erst seit 2008 betreiben, Kredite bekommt man nicht. Da ist das Eigenheim ein guter Verkaufsraum, denn Mieten bezahlen oder gar ein Geschäft kaufen nur mit eigenen Mitteln? Scheint doch bei den niedrigen Verdiensten auf Kuba schier unmöglich. Die Straßen sind eng und zerklüftet. Oldtimer in allen Farben und Pferdekutschen klappern vorüber. Männer auf Dreirädern bieten ihre Taxidienste an. An den Häusern viele kleine Balkons, überall hängt Wäsche zum Trocknen herab, hier wird meistens per Hand gewaschen. An vielen Straßenecken sammelt sich Dreck und Müll, Gestank begleitet einen den ganzen Tag. Die Luft ist stickig und heiss. Hier ist man mit Abwischtuch oder Fächer unterwegs.

Die Kubanerinnen laufen mit Stolz an einem vorüber. Goldschmuck an Händen und Hals, enge Jeans, die Männer flirten ihnen hinterher, mancher eine Zigarre im Mundwinkel. Flirten gehört zum Alltagsbild. Die Sprache ist anfangs schwierig zu verstehen, es braucht gute Konzentration, um mit der Geschwindigkeit des Sprechens mitzuhalten. Wir sind froh, einige Grundkenntnisse zu beherrschen, die Kubaner scheinen doch einen ziemlichen Slang zu praktizieren. Unzählige Hunde und Katzen leben ihr eigenes Leben auf Kuba, ernähren sich von Essensresten auf der Straße. Viele Telefonzellen hängen an den Wänden der alten Gebäude. Kubanische Musik ertönt aus kleinen Cafés, manchmal auch Livemusik mit Trommel, Gitarre und Rasseln. Die Lebensmittelgeschäfte sind oft halbleer, Wasser gibt es nicht überall zu kaufen. Auch mit Geld beheben muss man den österreichischen Standard hinter sich lassen. Bankomaten gibt es nur in größeren Städten. An Feiertagen kann es passieren, das die Karte eingezogen wird, somit sollte man Geldbehebungen an Feiertagen meiden.

Als allererstes ist man platt von all dem Kontrast zum eigenen Lebensstandard. Man wird von den Einwohnern sehr genau beobachtet, als Weisser fällt man hier auf wie ein bunter Hund. Und dann noch die hellen Haare und das unsichere, erstaunte Gesicht dazu, wir hätten Keinem was vormachen können. Nach dem plättenden Spaziergang durch Havannas Straßen verarbeiteten wir unsere Gedanken bei Mojitos, Cuba Libre und einer kubanischen Tanzgruppe in unserer Bleibe. Am nächsten Tag machten wir uns wieder auf den Weg…

Suche nach dem Busbahnhof & eine Fahrt im illegalen Taxi

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Am Weg zum Viazul Busbahnhof entdeckten wir einige der wunderschön bunten historischen Gebäude, die Kuba so bekannt machen. Kleine Reihenhäuser mit hohen Fenstern und Balkons mit verschnörkeltem Geländer lassen erahnen, welch Pracht die Stadt einst bot. Davor große Säulen, alte Steinböden. Viele Häuser in warmen Pastellfarben gestrichen.

Unterwegs kamen wir an einer Gruppe älterer redseliger Kubaner vorbei. Sie saßen gemütlich neben der Straße auf einer niedrigen Mauer und unterhielten sich. Freundlich grüßten und fragten sie uns, wo wir denn her seien und wo wir hin wollen. Sie waren sehr freundlich und interessiert und so unterhielten wir uns eine Weile in unserem gebrochenem Spanisch über Kuba, Österreich und das Wetter. Wobei ich sagen muss, wir kommen ganz gut zurecht. Es machte den Anschein, das sie uns verstanden und auf ihren Rat hin, das wir am falschen Weg sind, fanden wir sogar den empfohlenen richtigen Weg :). Na das ist doch was. Generell fühlt man sich hier schon sehr sicher. Klar nerven die ewigen Angebote über Taxi, Verkauf oder Casa Particular. Aber Angst muss man hier nicht haben. Schon garnicht am Tag. Die Kubaner sind freundlich, keiner kam uns zu aufdringlich oder unverschämt vor.

Nach einer Weile erreichten wir den Busbahnhof, oder eher einer Halle mit gefühlten tausend Menschen. Überall Schalter, an jedem eine lange Warteschlagen. Schlag auf Schlag fühlen wir uns wieder, als hätten wir noch nie was von spanisch gehört. Die Abfahrtstafeln unübersichtlich, Mitarbeiter wussten teils nicht bescheid, die Leute wuselten durcheinander. Bis wir nach einer Weile heraus fanden, das dieser Busbahnhof der der Einheimischen ist. Viazul ist ein Touristenbusunternehmen und hält nur in den größeren Städten wie Beispiels Havanna, Cienfuegos, Trinidad oder Santiago. Es wird sehr davon abgeraten, mit den normalen Bussen, die überall halten zu reisen, da Diebstahl auf Kuba ein wachsendes Problem ist. Mit einem Schmierzettel einer Mitarbeiterin mit der richtigen Adresse irrten wir in der großen Halle umher und überlegten, wie wir am besten dort hin kommen. Ein alter Mann schien zu erkennen das wir auf der Suche nach einem fahrbarem Untersatz sind und bot uns für ein paar CUC die Fahrt in seinem „Taxi“ zum Viazulbahnhof an. Er deutete einem anderem er solle uns zum Wagen bringen und hin fahren. Etwas verunsichert stiegen wir in das wirklich Uralte Auto ein, und wenn ich sage Uralt dann meine ich, bei uns findet man solche Autos am Schrottplatz und die Werkstatt bekommt einen Lachkrampf wenn es um das Pickerl geht.

Es schien ein illegales Taxi zu sein. Kein Taxischild, kein Taxameter. Naja, die haben die offiziellen Taxis auch nicht. Der beste Weg ist, einen Preis im Vorhinein zu vereinbaren, mit dem Wissen, das man ca. 1€ pro km rechnen kann, konnten wir die Preise relativ gut einschätzen. Er brachte uns billig zu unserem Ziel, gelernt haben wir trotzdem, nicht beim erstbesten Angebot zustimmen, sondern selber einen Taxifahrer ansprechen. Ist einfach sicherer. Obwohl wir hier eher die Angst hatten, das der Boden des Lada´s wegbricht, als das uns sonst was passieren könnte.

Wir besorgten unsere Tickets nach Varadero, ein Urlaubsort mit Traumstränden sollte unser nächstes Ziel werden.

Aufenthalt in der Postfiliale & die freudigen Augen eines kubanischen Jungen

Wir hatten immer noch Longboard und Scooter im Gepäck. Da wir diese erst wieder in Neuseeland brauchen würden beschloss Alex, sein Longboard nach Hause zu schicken, hängen doch schon einige schöne Erinnerungen daran. Und ich entschied, den Scooter und einige Kleinigkeiten zu verschenken. Der Chef der Post bediente uns und war sehr bemüht. Die Filiale war noch wie man sie sich in den 50iger Jahren vorgestellt hätte. Kalter Steinboden, mit Glaswänden abgetrennte Schalter, ausgestattet mit einer alten verbeulten Waage, einem Taschenrechner und einem Aschenbecher.

Aus den Resten alter Kartons bastelten Alex und der Post Chef gemeinsam eine passende Schachtel hinter den Schaltern im Postfachraum.

Während ich auf einem klapprigen Holzhocker saß und überlegte, wie ich denn nun mein Zeug am besten verschenken kann bemerkte ich, das ein kleiner Junge bereits den Scooter entdeckte. Heimlich sah er immer wieder zu mir herüber und versteckte sich hinter seinen Eltern, als er merkte, das ich reagiere. Ich denke er war 6 oder 7 Jahre alt. Das war die richtige Gelegenheit dachte ich mir.

Entschlossen ging ich zu der Familie und erklärte ihnen mit meinem halben Spanisch, das ich dem Jungen gerne meinen Scooter schenken möchte. Die Freude war riesengroß. Sie glaubten anfangs garnicht was los war. Und das freudige Funkeln in den Augen des Jungen werde ich niemals vergessen. Wenn man bedenkt das dieser Scooter 30€ in Kalifornien gekostet hat und eine Nacht im All Inclusive Hotel auf Kuba mit wunderschönem Strand ebenfalls 30€ kostet, kann man sich in etwa vorstellen, wie viel so einer doch hier wert sein kann. Sie bedankten sich alle 3 und gingen glücklich hinaus, damit der Junge den Scooter gleich testen konnte. Zufrieden blieb ich in der Post und sah zu, wie sie sich freuten.

Als das Paket fertig verpackt war, war ich begeistert. Da ich ja einige Jahre im PostPartner meiner Eltern arbeitete und Erfahrung habe, kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten, die Kubaner können das Pakete verpacken sehr gut :).

Was ich noch behaupten kann, die österreichischen Preise sind OK! Das Paket wog 4,5 Kilo und kostete Alex Sage und Schreibe 80 Euro!! Mit der Info, das es schon mal 2 Monate dauern kann, bis es ankommt. Wenn man das einem Kunden in Österreich mitteilt, würde dieser wahrscheinlich aufgebracht bei der Beschwerdehotline anrufen. In einem Jutesack, mit Kabelbinder verschlossen, stellte der Postchef das Paket zu dem weiteren. So wurden in dieser Woche ein Paket nach Mexiko und ein Paket nach Österreich verschickt. Wenn ich da an die Weihnachtszeit bei der Post denke, witziger Vergleich. Nachweis oder Rechnung bekam Alex nicht.

Schuhspray, Gürtel, Sonnenbrille und die restlichen Kleinigkeiten, die ich loswerden wollte, überließen wir dem Post Chef, da er wirklich sehr sehr nett und hilfsbereit war. Und er hatte stets gute Laune. Er freute sich sehr.

Spaziergang am Malecòn

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Zufrieden und auch etwas befreit, schlenderten wir über schöne alte Plätze, zurück zur Unterkunft. Vorbei an Cafés, kubanische Musik war zu hören. Auf einem Markt in einem kleinen Park konnte man alte Broschen aus Kriegszeiten, Bücher und Poster von Che Guevara kaufen. Che Guevara Bilder und Graffitis über die Revolution an Brücken und Hauswänden. Man kann die wachsende Freiheit spüren. Es scheinen auch viele Künstler hier zu leben, es gibt Kunstgalerien mit sehr schönen Arbeiten und große bunte Graffitis. Viele historische Gebäude werden von der Polizei bewacht.

Den Abend verbrachten wir mit einigen Drinks, packen und einem Spaziergang am Malecón. Eine kilometerlange Promenade entlang des Meeres, das sogenannte Wohnzimmer der Kubaner. Am Abend treffen sich hier die Leute. Es wird gefischt, getratscht oder geknutscht. Viele sitzen auf der Mauer und genießen die Abendsonne. Lachen, genießen die laue Sommernacht. Auch größere Feste werden hier zelebriert, Beispielsweise der alljährliche Carneval. Der Sonnenuntergang war einmalig. Die Farben am Himmel warm, die Sonne feuerrot. So genossen wir unseren vorerst letzten Abend in Havanna, wenngleich auch mit Kulturschock.

Varadero – karibischer Badeort oder kubanischer Ballermann?

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3,5 Stunden fuhren wir mit dem Viazul Bus in den Badeort, angepriesen mit seinen karibischen Traumstränden und türkisem Wasser, kristallklar. Ja. So kann man man es auch beschreiben. Die Strände glichen einer Müllhalde. Zur Zeit sind Ferien auf Kuba. So lernten wir die Urlaub machenden Kubaner kennen. Den Luxus, Urlaub in einem Touristenhotel zu verbringen, dürfen die Einheimischen erst seit 2008 genießen. Vorher war ihnen dies verwehrt. In Grüppchen sitzen sie stundenlang im Wasser, abwechselnd wird Dosenbier geholt. Ist es einmal leer, werden die leeren Dosen an den Strand geworfen und neue besorgt. Müll wird einfach fallen gelassen. Es ist eine Schande, wie diese wunderschönen Plätze durch solch Ignoranz verkümmern.

Es ist, als würde vieles hier nicht wert geschätzt. Wir fühlten uns in Varadero nicht besonders wohl. Ich würde den Ort eher als kubanischen Ballermann bezeichnen, schlechte Musik aus den 90ern, Massentourismus und Müll.

Zum Frühstück im Hotel gab es entweder Omelett oder Sandwiches auf Bestellung. Die Tischdecken befleckt und voller Ameisen. Die Stühle alt und abgenutzt. Im Zimmer schien ein zu kleines Fenster eingebaut (es ging weder ganz zu noch auf) und das Waschbecken hat sich sicherlich mittlerweile von der Halterung verabschiedet. Wir reisten nach 2 Nächten ab Richtung Cienfuegos, diesen Ort werden wir wohl nicht mehr besuchen, von kubanischem Flair bleibt hier bei all dem Müll leider nicht viel über.

So lernen wir nun die niedrigen Standards kennen. Eigenartige Lebensstile und den Umgang mit Dreck und Chaos.

Man sollte jedoch nie die positiven Seiten vergessen. Die Tierwelt, die Geschichte und das bunte Leben. Kuba ist trotz allem sehr interessant und wir sind gespannt auf unsere nächsten Ziele. Man lernt plötzlich die kleinsten Kleinigkeiten zu schätzen, die vorher vielleicht selbstverständlich waren. Trinkwasser aus der Leitung, frische Luft, isolierte Häuser.

Raus aus der Stadt, weg vom Tourismus und rein in die Natur. Auch freuen wir uns auf die ersten Nächte in den Casas Particulares, private Zimmervermietungen. Denn es heißt, die Kubaner machen aus nichts sehr viel, sind kreativ und einfallsreich, somit sind wir auf deren Heime sehr gespannt.

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