Grand Canyon, USA & der perfekte Ort zum Übernachten – Williams

Gesichtete Wildtiere: viele kleine und auch grosse
Unvergessliches: Der Sonnenaufgang
Song: Eddie Vedder – Society
Lektion: Mehr Zeit für Wanderungen einplanen

 Williams – eine Stadt in der man sich willkommen fühlt
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Am Weg in Richtung der Schlucht, die halb so alt ist wie die Erde selbst, der Grand Canyon, hatten wir noch keine Bleibe und machten somit Halt, wo es uns gefiel. In Williams. Eine Stadt, durchquert von der Mother-Road der Route 66, ca. 1,5 Stunden vom National Park entfernt. Die Mother-Road wurde bereits durch eine neue Route 66 ersetzt, jedoch hat dieses Stück viel Charakter und Geschichte und das war auf Williams Strassen nicht zu übersehen.

Alte Trucks rollen langsam entlang an Diners, die sich seit geschätzten Jahrzehnten nicht verändert haben. Weiche gemütliche Lederecken, der Kaffee wird in grossen alten Tassen serviert von der äusserst netten Inhaberin selbst. Cowboys sitzen an der Bar und unterhalten sich darüber, was am Rodeo-Ground gerade los ist. Durch die kleinen Fenster blickt man hinaus auf die Strasse mit ihren vielen kleinen Geschäften und familiären Motels, gehalten im alten Westernstil.

Die Bewohner sind allesamt freundlich, man fühlt sich willkommen. Keine High Society, kein Lärm vom vielen Verkehr. Man hastet nicht, man schlendert. Ab und an ist der Gang der Pferde, die die Straße queren zu hören und alle paar Bars werden abends von Country-Sängern unterhalten.

Eine Parade am Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten von Amerika
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Am 4. Juli durften wir bei einer Parade dabei sein. Der National-Feiertag wird in Amerika groß gefeiert, ja sogar das ganze Wochenende dauerten die Feierlichkeiten an, von Zipline fahren über Rodeo Bewerbe, alles war dabei.

Die Leute versammelten sich bereits Stunden vor der Parade neben der Straße mit ihren Campingsesseln und jeder bekam eine Amerika-Flagge. Zur Eröffnung wurde von einer Einwohnerin die amerikanische Hymne gesungen und viele hielten die Hand aufs Herz, mancher salutierte. Es ist wirklich war. Amerika hat ein wahnsinnig stolzes Volk. Es war zwar für uns etwas seltsam, da wir nicht den Bezug zum Land haben, interessant war es trotzdem dabei zu sein und den Stolz dieser Gemeinde zu spüren.

Und dann ging es auch schon los. Alle möglichen Vereine der Gemeinde zeigten sich im besten Licht, Feuerwehr, Jugendcamp, Oldtimer, Gruppen mit Trainigshunden, Traktorverein und Pferdegruppen. Alle wurden anmoderiert und feuerten die Leute zum feiern an. Man kann sich solch eine Parade vorstellen, wie einen Faschingsumzug bei uns in Österreich. Nur hat jeder Zug einen ernsten Hintergrund. Alle, die sich für die Gemeinde einsetzen werden sozusagen an diesem Tag geehrt.

Rodeo – oder wie man einen Stier fängt
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Klar muss man zum Rodeo wenn man schon eine Westernstadt besucht. Ein paar Straßen vom Motel weg spaziert fanden wir einen großen Rodeo Ground. Zu unserem Glück waren gerade Wettbewerbe im Gange. Ein Team bestehend aus 2 Frauen musste gemeinsam mit dem Lasso am Pferd einen Jungstier einfangen. Eine fokussierte den Kopf, die andere die Beine. Stier und beide Reiterinnen wurden gleichzeitig auf dem Platz gelassen. Alle stürmten los als gäbe es kein Morgen. Die Stiere wurden jedes Mal relativ schnell erwischt. Zuerst der Kopf, dann die Beine. Der Stier wird von der ersten Reiterin so gedreht, dass die Beine besser zu erreichen sind.

Ein Weilchen saßen wir da, ließen den Wettbewerb auf uns wirken. Kuscheltiere sind Pferd und Stier hier nicht, dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man sich ein Rodeo anschauen möchte. Die Altersgruppen gingen von 20 bis Mitte 60 hoch. Schon bewundernswert, welche Power Pferd und Reiterin haben. Auch die Cowboys mit ihren klirrenden, staubigen Stiefeln zu beobachten macht schon Stimmung. Es war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung.

Elche anstatt Frühstück

Um 03:00 Uhr morgens sollte es los gehen. Natürlich bekamen wir nicht besonders viel Schlaf in dieser Nacht, waren wir doch schon aufgeregt und neugierig, was uns denn erwarten mag. Kamera, Wasser und Fernglas zusammen gepackt ging es los – Richtung Norden. Mit all den Warnschildern neben der Straße, von Rentieren und Elchen, wurden wir wach und achtsam. Wäre doch wunderschön diese Tiere zu erleben. Die Strecke war lang. Vorbei an dichten Wäldern und lange Zeit waren wir allein unterwegs. Einige Rehe (selbst diese Tiere sind schon so gross wie unsere Hirsche zu Haus) standen fressend neben der Straße, als wir vorbei kamen. Sie machten nicht den Anschein, als würden wir sie sonderlich stören. Und plötzlich standen sie da, mitten auf unserer Spur. 2 unglaublich große, wunderschöne Elche. Dank dem langsamen Tempo (ich muss gestehen – ja ich hatte etwas Angst, darum auch das Tempo) passierte nichts, außer das wir nun hellwach waren und einen Schrecken bekamen, den wir nie vergessen werden. Denn ja, diese Tiere sind wirklich groß. Größer, als man sie sich vorstellt. Aber auch wunderschön und sehr elegant mit ihrem hohen Geweih. Kurz konnten wir sie beobachten bevor sie langsam im Dunkel der Nacht in den Wald verschwanden. Auch einen dritten bekamen wir kurz vorm Parkeingang zu Gesicht.

Für diese wundersamen Begegnungen sind wir sehr dankbar, wer weiß, hätten wir jemals solch wunderschöne Tiere aus so unglaublicher Nähe erblicken können.

Sonnenaufgang am Grand Canyon
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Am Mather´s Point machten wir die Kamera und uns bereit für den bevorstehende Sunrise. Frühstück kurz vor Sonnenaufgang am Grand Canyon. Einige andere Leute waren bereits dort. Die Schluchten sind erstaunlich. Es fühlt sich an, als könnte man eine Ewigkeit durch wandern und immer neue Wege finden. Adler gleiten königlich darüber hinweg. Und dann war es soweit, die Sonne warf ihre ersten Strahlen und die gezeichneten Felswände bekamen den Kontrast, wie man es von Bildern kennt. Die Farben spielten verrückt. Je weiter die Sonne kam, desto röter wurde die Schlucht. Ein Traumbild hatten wir da vor uns. Diese Minuten genossen wir sehr! Alle waren still und ließen den Moment seine Wirkung tun.

Kaum war die Sonne da, fingen die Vögel an zu zwitschern. Als sei die Sonne ihr Morgenruf! Wir spazierten noch eine Weile am Canyon entlang und bewunderten die farbenreiche Natur, die einem dargeboten wird. Auch hier Eichhörnchen-Familien in jedem Baum.

Am Nachmittag spazierten wir gemütlich durch Williams und ließen die erlebten Morgenstunden noch einmal Revue passieren.

Eine Wanderung in die Schlucht des UNESCO Kulturerbes
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Ausgeschlafen ging es am nächsten Morgen ein zweites Mal zum Grand Canyon. Wandern war angesagt. Cedar Ridge am South Kaibab Trailhead, South Rim war unser Ziel. Wir wanderten noch etwas weiter Richtung Skeleton Point. Der Weg war staubig und führte tief in eine Spalte des Canyon-Giganten. Man bekam ein Gefühl der atemberaubenden Höhe und Weite. Die verschiedenfarbigen Schichten an den Canyonwänden sind wunderschön. Begleitet wurden wir von einigen durch die Luft gleitenden Adlern. Je weiter wir in die Schlucht kamen, desto schöner wurde ihr Anblick.

Eine ausgiebige Genuss-Pause machten wir an einem Mule-Stellplatz. Ein paar Cowboys ritten uns geraden von weiter unten mit einer ganzen Herde Mule´s entgegen, stiegen ab uns gönnten den Tieren ihre wohlverdiente Pause. Sehr schöne Tiere. Was wir ganz witzig fanden, einer der Cowboys erzählte belustigt, die männlichen Mule´s heissen John und die weiblichen Molly. Warum kompliziert, wenns auch einfach geht, was? 😀 Auf einem einsamen Felsen ließen wir uns sonnen und versorgten uns mit Wasser nach einem sehr interessanten Gespräch mit einem Einwohner aus Los Angeles, der uns, erfreut über unsere Geschichte und gleich begeistert vom Reisen, L.A. mit einigen Insidertipps schmackhaft machte.

Der Rückweg war durchwachsen, von knallender Hitze bis Regensturm. Beim Gedanken daran, das sich die Canyons bei solchen Regengüssen auch schon mal füllen, wird einem ein bisschen die Gefahr bewusst. Unser Trip war natürlich weit weg von gefährlich, jedoch gibt es Wander-Trails vor deren eintägiger Wanderung strengstens gewarnt wird. Zum Beispiel soll auf keinen Fall der Colorado River an einem Tag besucht und wieder zurück gewandert werden. Einige sind beim Versuch an Erschöpfung gestorben. Auch wird eine Person vermisst. Die Hitze und das Ausmass des Canyons sind nicht zu unterschätzen und Wasser gibt es weit und breit keines, wenn sich die Vorräte zu Ende neigen.

Trotzdem: Sollten wir eines Tages wiederkehren, werden wir unbedingt eine Mehrtägige Tour unternehmen. Es ist einfach so ruhig wie nirgendwo anders und wunderschön. Weit. Klar. Unbedingt ein Punkt auf der Bucket-List! Zum Abschied gönnten wir uns am nächsten Morgen in einem der kuscheligen Diners ein leckeres „Waffel mit Erdbeeren“ und „French Toast“ Frühstück bevor wir wieder einmal unsere Rucksäcke packten und uns auf den Weg nach Phoenix machten. Eine Großstadt mit Charme und all seinen prächtigen Kakteen.

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